Man kann auch dauerhaft - also auch bis zum Auspflanzen - in Anzuchterde kultivieren.
Du hast meine Aussage nicht verstanden.
Wenn eine Aussaaterde von anstĂ€ndiger QualitĂ€t ist, dann kann man das, freilich. Ich habe schon FrĂŒchte von Zwergtomaten geerntet, die nur in Aussaaterde standen. Ohne zusĂ€tzliche DĂŒngergaben. Denn im Gegensatz zum "Volksglauben" ist eine Aussaaterde nicht frei von NĂ€hrstoffen, sie ist eben nur milder aufgedĂŒngt, um empfindlichere Arten und ihre Keimlinge nicht zu gefĂ€hrden.
Aber die weitlĂ€ufige Ansicht eine Aussaaterde wĂ€re frei von NĂ€hrstoffen muss ja von irgendwo her kommen. Und ich glaube die Ursache dafĂŒr liegt darin, dass viele HobbygĂ€rtner auch schon schlechte Erfahrungen mit Aussaaterde gemacht haben, mich eingeschlossen. In Form von Keimlingen, die einfach nicht wachsen wollen.
Und da kommen wir zum Thema QualitĂ€t einer Aussaaterde, also zum Kern meiner o.g. Aussage: Es gibt nicht nur QualitĂ€tsunterschiede zwischen den verschiedenen Marken. Sondern auch ganz gravierende Unterschiede bei gleicher Marke, gleichem Produkt, gar bei gleichem AbfĂŒllwerk und AbfĂŒlldatum.
Wie kommt das?
In all meinen Jahren als HobbygĂ€rtner ist mir aufgefallen, dass ich besonders beim ersten Kauf der Saison (Dez/Jan) gerne einen Griff ins Klo mache mit der Aussaaterde: Die Keimlinge wollen einfach nicht wachsen, sie schaffen es ĂŒber Wochen hinweg gerade mal etwas ĂŒber das Keimlingsalter hinaus. Die BlĂ€tter sind eher blass-, statt sattgrĂŒn. KeimblĂ€tter fallen ab, obwohl es noch nicht Zeit ist und die Pflanzen keine echte Blattmasse haben.
Das Verhalten schreit nach Stickstoffmangel. Und tatsĂ€chlich liegt auch hier der Hund begraben: Die Erde, welche ich da im Dez/Jan kaufe, ist Restbestand vom Vorjahr: Ăberlagert und i.d.R. auch falsch gelagert (Lagerung im Freien). Stickstoff ist ein NĂ€hrstoff, welcher zum einem durch Wasser leicht ausgewaschen wird. Durch die feinen Löcher des Sacks kann Wasser ein- und austreten und somit den Stickstoff auswaschen, wenn der Sack der Witterung ausgesetzt ist. Und zum anderen: Ist die Erde zu feucht, entstehen anaerobe Bedingungen, welche bestimmte anaerobe Bakterien fördert, welche wiederum in der Lage sind den gebundenen Stickstoff in seinen gasförmigen Zustand umzuwandeln, der dann dem Sack einfach entweicht.
Von der ohnehin milde aufgedĂŒngten Aussaaterde bleibt in so einem Szenario am Ende nichts mehr ĂŒbrig.
Bei Blumenerde, welche zeitig in der Saison gekauft wird, ist das Risiko geringer. Nicht weil, sie stĂ€rker aufgedĂŒngt ist, sondern vor allen Dingen, weil der Bedarf bei den Kunden an Blumenerde ein sehr viel gröĂerer ist: Sie liegt weniger lang in den Garten-Centern im AuĂenabteil herum, ehe sie den Weg zum Kunden findet. Frische Paletten werden sehr viel hĂ€ufiger nachbestellt.
Was ich im o.g. Post in einem kompakten Absatz versucht habe auszudrĂŒcken, ist: Wenn man in eine Situation rennt, bei dem die Keimlinge in Ausssaaterde nicht richtig wachsen, dann wird es an einer qualitativ schlechter Aussaaterde, mit ausgewaschenen NĂ€hrstoffen liegen. Vorrausgesetzt die anderen essentiellen Bedingungen (Licht, WĂ€rme) passen.
Anstelle von DĂŒngerexperimenten empfehle ich in solchen Situationen immer die alte Erde durch frisches Substrat zu ersetzen. Und zwar so, dass man die alte Erde vorsichtig von den Wurzeln klopft (geht leichter, wenn die Erde nicht mehr nass ist) und die blanken Wurzeln auf frische Erde bettet.
Wenn die Erde die Ursache war, werden selbst stark hungernde Pflanzen in kurzer Zeit anfangen im Wachstum zu explodieren.
Obwohl ich neben negativer, durchaus auch sehr gute Erfahrungen mit (spĂ€ter in der Saison) gekaufter Aussaaterde gemacht habe, setze ich sie mittlerweile nicht mehr ein. Tomaten und das ĂŒbliche andere FruchtgemĂŒse (Paprika/Chili, Auberginen, Physalis, etc.) kommen als Starkzehrer auch gut klar mit Blumenerde, das zeigen sie selbst im Keimlingsalter. FĂŒr KĂŒrbisgewĂ€chse (zu denen auch Gurken, Melonen, Zucchini gehören) wĂŒrde ich sogar sagen, dass es "Pflicht" ist. Ihr NĂ€hrstoffbedarf ist enorm.
Ansonsten kaufe ich meine Erde fĂŒr die Anzucht bereits im Sommer und lagere sie selbst im Haus ein, so dass ich mit Beginn der Aussaatzeit keine Erde kaufen muss, die den ganzen Winter drauĂen herumgelegen hat.