Ich freu mich heute über... -Fred

  • In meinem Heimatdorf (~ 400 Einwohner) gab es zu meiner Kindheit drei Lebensmittelgeschäfte, zwei Wirtshäuser, einen Schuhmacher, einen Bäcker und einen Kurz- und Textilwarenladen (der war super, ein einziges Tohuwabohu). Von alledem gibt es nichts mehr. Zum Einkaufen geht es in die nächste Kleinstadt, das sind gut elf Kilometer. Ohne Auto schiebt sich gar nix, der ÖPNV ist eine Katastrophe. Das Elternhaus liegt an der Hauptstraße und durch den morgendlichen Berufsverkehr ist es sehr viel lauter, als in meiner kleinen Straßen in der Maxvorstadt. Meine Schwester wollte nirgendwo anders leben, ich käme dort gar nicht mehr klar.
     
  • Ich bin auf einem Dorf aufgewachsen.
    Da gab's alle Geschäfte, Bäckereien, Metzgereien, Lebensmittel Geschäfte und einen Tante Emma Laden.
    Heute gibt's da nicht mal mehr einen Bäcker.
    Jetzt wohnen wir am Stadtrand. Für den Großeinkauf müssen wir auch unser Auto bewegen. Aber es gibt einen Bäcker und einen Gemüsestand. Einmal wöchentlich kommt ein Gemüsewagen in unsere Straße. Mehr Geschäfte gibt's ca. 20 Minuten Fußweg entfernt. Um Kleinigkeiten zu besorgen, ist das okay.
     
    Mein Heimatdorf ist in den 70er Jahren eigemeindet worden und damit Teil einer neuernannten Stadt geworden.
    Ich bin Anfang der 70er nach München gezogen und wohnte - wie MariaSchwarz --in der Maxvorstadt, fast 15 Jahre lang.
    Der Kontakt zur Heimat und zu den Eltern war aber fast wöchentlich da.
    In dieser Zeit wurde aus dem verschlafenen Dorf mit Wirtshaus/Brauerei (gibt es immer noch und schon seit vieleln Jahrhunderten), Metzgerei, Bäckerei, Konditorei, Kolonialwarenhändler (ja, so nannte er sich), Textil- und Haushaltswarengeschäft (sogar einen Hufschmied hatten wir noch) ein Stadtteil mit zunehmender Bebauung.
    1986 bin ich mit meinem Mann wieder in - eben jetzt nicht mehr Dorf sondern Stadt - zurückkehrt, zunächst noch ins alte Elternhaus, nebean begann dann Fastneubau/Renovierung der alten Schreinerwerkstätte meines Opas, wo wir nun 40 Jahre wohnen.
    Wir wohnen noch im alten Teil, wo es noch größere Gärten gibt, aber auch die werden weniger, weil die Erben verkaufen und die Grundstücke von Bauträgern aufgekauft und dicht bebaut werden.
    Die Wirtschaft gibt es noch - zum Hotel gemausert, die Brauerei nicht mehr, die Konditorei gibt es auch noch - in dritter Familienhand, das Haushaltswarengeschäft auch noch in dritter Hand.....
    Und viele neue Geschäfte sind dazu gekommen und auch weitere Lokale.
    Man kann hier zu Fuß alles einkaufen, auch Mode. Und einen Superfriseur haben wir auch. Und noch viele Ärzte, sogar einen Zahnarzt.
    Also rundum gut versorgt.


    Was nicht mehr geht: Banküberweisungen einwerfen (nur noch Geldautomat) und die Apotheke hat vor ein paar Jahren geschlossen.

    Aber: alles ist anonymer geworden, ich kenn fast niemand mehr - außer den Nachbarn in unserem Teil und noch ein paar alte Schulfreunde.
    Aktuell hat unser Stadtteil um die 4.300 Einwohner.

    wilder Gärtnerin
     
  • Ja, alles verändert sich. Ich habe halt jetzt auch viele Vorräte zuhause und auch eine Gefriertruhe. Bin auch sehr froh um meinen Gemüsegarten. Kaufe höchstens 1 mal die Woche ein im Nachbarort, 4 km weiter. Da ist auch alles da, Arzt,Zahnarzt,Apotheke, Metzgerei, Bäckerei, ein Edekaladen, das ist der Metzger, einen Nettoladen, Tankstelle. Als Lokalität haben wir einen Inder und dann zwischen mir und dem Einkaufsort auch eine bäuerliche Gastwirtschaft.
     
    Wie geschrieben, wir sind glücklich drüber dass wir sämtliche Infrastruktur fußläufig erreichen können ohne ein Auto haben zu müssen.
    So gerne ich aus anderen Gründen gerne „dorfmäßig“ leben würde, auf Dauer wäre es für mich persönlich nichts.
     
    Wie schoen, was ihr hier so schreibt, ich reihe mich da mal ein:

    Ich komme aus der Grossstadt (Berlin) .
    Habe einen Grossteil meines Lebens dort verbracht!
    Dann bin ich in die Fraenkische Schweiz gezogen auf ein Dorf und habe dort in einer Siedlung, ausserhalb des Dorfes gwohnt!
    Dort gab es natuerlich "nichts", keine Laeden, einfach NICHTS
    Zum einkaufen war der kuerzeste Weg ca. 7 Km zum naechsten "Staedtchen" ...
    Habe dort auch ziemlich lange gewohnt!
    Von dort aus bin ich dann hierher, nach NZ gezogen.

    Hier ist das naechste Dorf ca. 8 KM entfernt.
    Dort gibt es NICHTS, absolut Nichts!
    Halt,.... doch, einen Pub und einen "Imbiss".
    Alle Monate kommt ein Tierarzt ins Dorf, der dann dann "Gross- und Kleintiere" behandelt.

    Wir sind umgeben von Farmland auf dem die Kuehe weiden.

    Zum einkaufen ist der kuerzeste Weg ueber 50 KM entfernt!

    Und ihr werdet es nicht glauben, aber
    Ich FREUE MICH JEDEN TAG WIEDER, HIER ZU LEBEN!!!!

    Kia ora
     
    Oh doch, das glaube ich dir gerne!

    Ich selber wohne in einer kleinstadt in der nähe einer grossstadt in einer einfamilienhaus-siedlung. alles ist anwesend und theoretisch auch fussläufig erreichbar. Praktischerweise ist die Bushaltestelle nur 30 m entfernt. Da ein Einkaufszentrum grad auf dem Arbeitsweg liegt, geh ich dort auf dem Heimweg einkaufen.
     
  • Ich habe 7 Jahre in einem kleinen Dorf gewohnt. Und es war eine schöne Zeit.

    Aber man muss dafür gemacht sein. Und: Nicht jedes Dorf ist so privilegiert wie jenes in dem ich gewohnt habe.

    In den ersten drei Jahre war es schwierig. Ich hatte kein Auto und der ÖPNV war mies. Ich war täglich 4 Stunden im Bus unterwegs, um zu meinem Ausbildungsbetrieb zu kommen und wieder zurück.

    Aber selbst das war sogar noch okay, zumindest nach dem man sich an den Umstand gewöhnt hat, dass die Freizeit im Bus stattfindet.

    Essen, Schlafen, Lesen, Hausaufgaben, Lernen, Smartphone/Notebook, Fenster hinaus gucken, Menschen und Natur beobachten. Das waren so Standard-Aufgaben im Bus.

    Aber im Prinzip wurde immer viel gequatscht. Mit anderen Fahrgästen und insbesondere mit den Busfahrern. Das Schild "während der Fahrt nicht mit dem Fahrer sprechen" war nur Deko. Ich stand immer vorne und hab mit dem Busfahrer gequatscht. Ich war mit allen Busfahrern befreundet, teils entstanden intensive Freundschaften daraus.

    Irgendwann war ich mit dem Chef von dem Busunternehmen noch befreundet und schwupps, hatte ich ein Funkgerät für den Busfunk als ständiger Begleiter für mich dabei. Das brachte neue Privilegien mit sich:

    Morgens zu lange gebraucht, um sich fertig zu machen? Kein Problem: Der Bus wartet an der Haltestelle auf mich!

    Du willst wohin, aber der Fahrplan gibt nichts her? Kein Problem! Der Bus macht einen Abstecher und holt Dich im Dorf ab.

    Du hast Deinen Anschlussbus verpasst und kommst zu spät zur Arbeit? Kein Problem: Der Bus holt Dich ab, und setzt Dich direkt vor der Firma ab.

    Ich werde den Blick und den offenen Mund von meinem damaligen Chef nicht vergessen, als ich direkt vor seiner Haustür ausstieg. :LOL:

    Er hat nicht mal gemeckert, weil ich 20 Minuten zu spät war. ;)

    Achja: Und meine damalige Freundin habe ich natürlich auch im Bus kennengelernt. Und ja: Der Busfahrer hat bissl nachgeholfen uns beiden Fahrgäste miteinander zu verkuppeln. ;)

    Vielleicht habt ihr schon mal diese Busse der Linie "Betriebsfahrt" oder "Leerfahrt" gesehen, in denen immer nur ein Fahrgast mitfährt und der vorne beim Busfahrer steht.

    Ich war dieser Fahrgast.

    Der Fahrgast, der in "Betriebsfahrt, oder in "Leerfahrt" zu wohnen scheint. :ROFLMAO:
     
  • Ohje, jetzt bin ich aber abgedriftet... :rolleyes:

    Also: Mein primärer Wohnsitz war, wie ihr jetzt wisst, in "Leerfahrt" und mein sekundärer das "Dorf".

    Aber auch im Dorf war das Leben super!

    Ich hatte meine Tomaten, meinen Tante Emma Laden, meine Ruhe (kein Straßenlärm, kein Menschenmassen), meine Natur direkt vor der Haustüre und es gab ein Dorfleben, die auch Freundschaften brachten. Später dann ein, für ein Dorf, gut ausgebauter ÖPNV und Gigabit Internet.

    Mehr brauchts für mich auch nicht.
     
    Michi, das ist alles wunderbar und auch kein Problem, solange man jung ist. Ich habe ja auch im „Niemandsland“ gewohnt. Als ich dort ankam, gab es noch nicht mal einen Supermarkt. Alle Einkäufe wurden auf dem Wochenmarkt getätigt, der, wie der Name schon sagt, einmal die Woche stattfand. Gute Menüplanung erforderlich! Später dann gab’s einen Leclerq, was es einfacher machte….
    Ich hatte bis vor kurzem kein Auto und werde wohl bald wieder keins haben. Noch reicht die Fitness, um meine Wege mit dem Rad zu bewerkstelligen. Auch ein E-bike gibt es….Aber wenn altersbedingt der Gleichgewichtssinn schwächelt, ist damit dann auch Schluss.
    Dann bin ich ziemlich froh, in einem Ballungsgebiet zu wohnen, wo der ÖPNV ziemlich super ist. Halbstündiger Takt wird fast als Zumutung empfunden. Und trotzdem ist unser Ortsteil ohne Infrastruktur. Alle Versorger befinden sich in 4 km Entfernung auf der grünen Wiese. Fussläufig ist da gar nichts!
    Meine Eltern sind beide über 90. wenn ich die Arztfahrten und Einkäufe nicht für sie erledigen würde, wäre da schon lange Schicht im Schacht.
     
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