Ich habe 7 Jahre in einem kleinen Dorf gewohnt. Und es war eine schöne Zeit.
Aber man muss dafür gemacht sein. Und: Nicht jedes Dorf ist so privilegiert wie jenes in dem ich gewohnt habe.
In den ersten drei Jahre war es schwierig. Ich hatte kein Auto und der ÖPNV war mies. Ich war täglich 4 Stunden im Bus unterwegs, um zu meinem Ausbildungsbetrieb zu kommen und wieder zurück.
Aber selbst das war sogar noch okay, zumindest nach dem man sich an den Umstand gewöhnt hat, dass die Freizeit im Bus stattfindet.
Essen, Schlafen, Lesen, Hausaufgaben, Lernen, Smartphone/Notebook, Fenster hinaus gucken, Menschen und Natur beobachten. Das waren so Standard-Aufgaben im Bus.
Aber im Prinzip wurde immer viel gequatscht. Mit anderen Fahrgästen und insbesondere mit den Busfahrern. Das Schild "während der Fahrt nicht mit dem Fahrer sprechen" war nur Deko. Ich stand immer vorne und hab mit dem Busfahrer gequatscht. Ich war mit allen Busfahrern befreundet, teils entstanden intensive Freundschaften daraus.
Irgendwann war ich mit dem Chef von dem Busunternehmen noch befreundet und schwupps, hatte ich ein Funkgerät für den Busfunk als ständiger Begleiter für mich dabei. Das brachte neue Privilegien mit sich:
Morgens zu lange gebraucht, um sich fertig zu machen? Kein Problem: Der Bus wartet an der Haltestelle auf mich!
Du willst wohin, aber der Fahrplan gibt nichts her? Kein Problem! Der Bus macht einen Abstecher und holt Dich im Dorf ab.
Du hast Deinen Anschlussbus verpasst und kommst zu spät zur Arbeit? Kein Problem: Der Bus holt Dich ab, und setzt Dich direkt vor der Firma ab.
Ich werde den Blick und den offenen Mund von meinem damaligen Chef nicht vergessen, als ich direkt vor seiner Haustür ausstieg.
Er hat nicht mal gemeckert, weil ich 20 Minuten zu spät war.
Achja: Und meine damalige Freundin habe ich natürlich auch im Bus kennengelernt. Und ja: Der Busfahrer hat bissl nachgeholfen uns beiden Fahrgäste miteinander zu verkuppeln.
Vielleicht habt ihr schon mal diese Busse der Linie "Betriebsfahrt" oder "Leerfahrt" gesehen, in denen immer nur ein Fahrgast mitfährt und der vorne beim Busfahrer steht.
Ich war dieser Fahrgast.
Der Fahrgast, der in "Betriebsfahrt, oder in "Leerfahrt" zu wohnen scheint.
