„Sie bekommen eine „Schmerzpumpe“ am Rücken, dann schauen wir, dass Sie schnell wieder mobil sind“ .. tja, zwei Versuche sind gescheitert .. „dann muss es halt ohne gehen“.
Fernsehen ist im KH St. Pölten nur mit Kopfhörer erlaubt, der alte Mann, mit dem ich das Zimmer in der Intensivstation teilte, hielt sich nicht dran und hatte offenbar Narrenfreiheit. Ich wachte im unverständlichen Stimmengewirr (wahrscheinlich nahm ich es als Zeitraffer wahr) einer TV-Serie auf, es war dämmrig im Zimmer - 17 Uhr wurde mir später gesagt (die OP hat um 8 Uhr begonnen), ich konnte mich kaum bewegen und hatte noch den Beatmungsschlauch im Hals. Kein Pflegepersonal-Ruf-Gerät in Reichweite, dann entdeckte ich, dass ich was Hartes am linken Handgelenk hatte, mit dem schlug ich gegen das Bettgestell. Jemand kam, befreite mich von dem Schlauch, befeuchtete den Mund ..
Alle paar Stunden wurde meine Lage von etwas links auf etwas rechts geändert bzw. umgekehrt, gut mit Polstern abgestützt. Hin und wieder wurde ich gefragt, ob die Schmerzmittel ausreichten oder ich mehr brauche. Bewegen konnte ich mich auch mit noch so starken Mitteln nicht, ich dämmerte in einem diffusen Schmerzzustand .. 1 Nacht, 1 Tag, 1 Nacht .. dann konnte ich auf einen Punkt zeigen und sagen „da tut es weh“ – welch ein Fortschritt. Ich durfte auf die Bettenstation, lernte erst mal mich aufzusetzen.
Die erste „Nahrung“ war eine klare „Gemüsesuppe“, viel zu konzentriert. Ich war brave Patientin und habe sie gegessen, zwei Schalen zu Mittag, zwei Schalen am Abend. Am nächsten Morgen wurde mir schlecht, als ich versuchte Polenta-Brei (natürlich erst mal versalzen, später bekam ich welchen ohne Salz) zu essen. Ich bekam ein Mittel gegen Übelkeit und konnte damit zu Mittag Karottenmus hinunterwürgen. Am Abend wurde mir so schlecht, dass auch das Anti-Übelkeit-Mittel nicht mehr half, und in der Nacht bekam ich schlimme Bauchschmerzen. Wenn ich über die Haut leckte, schmeckte sie nach der Suppe, ich fühlte mich wie gepökelt, noch dazu sträubte sich mein Magen gegen Trinken. Schwester in der Früh: „Wie geht es Ihnen?“ „Ich habe Bauchweh“ „Wollen Sie ein Schmerzmittel“ – davon war ich ohnehin „randvoll“, nein, ich wollte, dass mein Darm funktioniert. Ärztin: „Sie hatten eine schwere OP, da ist das normal so“.
Am nächsten Tag wurde ohne nachvollziehbaren Grund (außer dass man das halt so macht und es unverantwortlich wäre, keine Antibiotika zu geben) die Antibiotika-Dosis erhöht, statt 5 Flaschen wie am Tag zuvor wurden 7 angehängt. Ich konnte immer noch kaum trinken und bin sowieso ein schlechter Ausscheider, also gehe ich davon aus, dass eine Überdosis in meinem Blut zirkulierte .. wieder eine Nacht, in der ich nicht schlafen konnte, der Körper war in Aufruhr und ich fühlte mich, als wären alle meine Adern verätzt. Arzt am Morgen: „Sie hatten eine schwere OP, da kann man sich schon so fühlen“ .. ja klar, und jedes Mal nach Anhängen des Tropfs schlimmer. Immerhin wurde jetzt ein Blutbefund gemacht und es gab keinen Grund für weitere Antibiotika-Gaben, sie wurden abgesetzt.
Noch zwei Tage krampfte mein Dickdarm vor sich hin, anscheinend ohne den dank Molaxole weichen Nahrungsbrei weiterzutransportieren. Ärztin: „Sie hatten eine schwere OP, da ist das normal“. Und dann noch: es würde Monate dauern mich zu erholen. Dann endlich Bewegung .. zum Glück hatte ich einen Thermophor mit, mit dem habe ich die ersten Nachtstunden hin und wieder ein wenig schlafen können, gegen 3 Uhr wurden die Bauchschmerzen heftig. Ich entdeckte, dass ich (natürlich mit Schmerzmittel) herumzappeln konnte und nicht mehr in Schmerzvermeidungsstellung verharren musste. Mich vorbeugen, das war bislang überhaupt nicht gegangen. Es war irre anstrengend und dauerte Stunden .. die nächste Nacht wieder .. letzte Nacht konnte ich immerhin bis 4 Uhr schlafen .. mal sehen, wie es weitergeht. Auch Essen ist anstrengend, manchmal bricht mir der Schweiß aus oder ich fröstel, und danach muss das Gegessene ja auch noch verdaut werden, ich lasse mich vom TV berieseln und schlafe dabei auch manchmal ein. Ich gehe davon aus, dass die meiste Energie für Heilung benötigt wird, und dafür muss ich natürlich ausreichend essen, eine Gratwanderung. Zum Glück ist noch genügend übrig vom Pankreas, sodass ich nicht zum Diabetiker geworden bin. Die Beine sind so dünn geworden, dass meine Kniestütze nicht mehr stützt, vielleicht finde ich eine Lösung um ein bisschen mehr rumgehen zu können als im KH.
Gestern durfte ich nach Hause. Eine Stunde Transport im Krankenwagen, jeder Straßenbuckel war unangenehm, ich setzte mich daheim hin und nichts ging, ich fühlte mich total erschöpft. Irgendwann essen natürlich und dann ins Bett. Aber immerhin bin ich jetzt wieder hier und kann meine Tageseinteilung selbst bestimmen, die fixen Zeiten, wann es was zu essen gab, waren schon schwierig (ich habe sie zunehmend überbrückt, habe für „Zwischenmahlzeiten“ sogar kleinere Enzym-Kapseln bekommen). Dabei kann ich durchaus Positives vom KH St. Pölten berichten: kein e-smog in meinem Zimmer (trotz Antennen in der Umgebung), man kann als Patient sich selbst heißes Wasser oder ein anderes Getränk an einem Automaten holen und es gibt einen Kühlschrank, in den man hineinstellen kann, was vom zu üppigen Mittagessen übrig blieb oder jemand brachte. Letzteres ist erlaubt und war auch notwendig, die Großküche lieferte manchmal was Brauchbares und dann wieder mal nicht. Das Pflegepersonal ist gut drauf und hat offenbar Freude an seinem Beruf, die Ärzte sind verständnisvoll und mitteilsam.
Vielleicht kann die andere Hälfte von
@Fjäril kurz was schreiben
Ich habe es ihm überlassen .. vermutlich war er überfordert. Die eine Meldung hat er nach telefonischer Anleitung Schritt für Schritt geschafft, aber alleine .. .. ich bin schon froh, dass er mich mit allem versorgt hat, das ich brauchte, und jetzt .. und er gießt sogar meine Fuchsien und Kyklaminas. Manches klappt halt nicht .. der Apotheker gab ihm nicht die verschriebenen Anti-Thrombose-Spritzen, weil er meinte, die würde ich nur brauchen, wenn ich bettlägerig wäre. Und manches, worum ich ihn bitte, versteht er falsch .. ..