Ich lese hier länger mit und schreibe aus der Möbelseite her – wir fertigen Polsterliegen
und Betten, und genau dieses Thema landet bei uns regelmäßig als Reklamation, nur eben
unter der Matratze statt hinter dem Schrank. Der Mechanismus ist derselbe.
Kurz zu deiner Frage: Abrücken und Lüften hilft, aber es löst das Problem nur zum Teil –
und zwar aus einem Grund, der oft untergeht. Entscheidend ist nicht der Abstand an sich,
sondern ob hinter dem Möbel tatsächlich Luft strömt. Ein Schrank mit geschlossener
Rückwand und Sockel bis zum Boden macht aus 10 cm Abstand einen stehenden Luftraum: unten
kommt nichts nach, oben geht nichts weg, und die Luft dahinter bleibt kalt und feucht
stehen. Was in der Praxis mehr bringt als weitere Zentimeter:
- Das Möbel auf Füße stellen, sodass unten Luft nachströmen kann. Bei Schränken reicht oft
schon, den Sockel hinten offen zu lassen.
- Oben nichts abdecken (keine Kartons zwischen Schrank und Decke), damit die warme Luft
abziehen kann.
- Wenn möglich, die Rückwand nicht direkt aufliegen lassen – bei einigen Schränken kann man
sie mit dünnen Leisten ein Stück abstandshalten.
Der zweite Punkt: die Feuchtigkeit kommt nicht aus der Wand, sondern aus dem Raum. Ein
Mensch gibt pro Nacht ungefähr einen halben Liter Wasser ab. Deshalb ist die Reihenfolge
beim Lüften wichtiger, als die meisten denken: morgens nach dem Aufstehen lüften, nicht
abends. Abends ist die Luft noch relativ trocken, morgens steht die Nachtfeuchte im Raum.
Und der dritte, der bei Schlafzimmern fast immer die eigentliche Ursache ist: das
Schlafzimmer wird kühler gehalten als der Rest der Wohnung, aber die Tür steht tagsüber
offen. Dann zieht warme, feuchte Luft aus Wohnzimmer und Küche hinein und kondensiert an
der kältesten Fläche – und das ist genau die Außenwand hinter dem Schrank. Kühl schlafen
ist völlig in Ordnung, aber dann die Tür zu und separat lüften.
Wenn du wissen willst, ob es bei dir wirklich knapp ist: Ein einfaches Hygrometer und ein
Infrarot-Thermometer (zusammen keine 30 €) reichen. Bei 20 °C Raumtemperatur und 60 %
Luftfeuchte liegt der Taupunkt bei etwa 12 °C. Miss die Wandtemperatur hinter dem Schrank –
liegt sie darunter, kondensiert es dort zwangsläufig, egal wie oft du lüftest. Dann ist
Dämmen tatsächlich die richtige Antwort und nicht nur Kosmetik. Liegt sie deutlich darüber,
kommst du mit Aufstellung und Lüftungsrhythmus durch.
Bei Betten und Polstermöbeln gilt übrigens dasselbe: Matratze nie direkt auf eine
geschlossene Platte, Kopfende möglichst nicht bündig an die Außenwand, und im Winter die
Matratze ab und zu aufstellen. Das ist derselbe Effekt, nur dass man ihn dort erst merkt,
wenn unten schon Stockflecken sind.