@gabi 67
zur Kalmie kann ich dir einiges schreiben.
Kalmien sind deshalb so teuer, weil die Vermehrung äußert schwierig ist. Sie sind nicht durch normale Stecklings- oder Veredelung zu vermehren. In der Regel, werden sie in speziellen Baumschul-Laboren durch ca. 2 mm (kein Tippfehler) Mikrostecklinge vermehrt. Die Mikrostecklinge werden keimfrei in Schalen mit Nährmedien und Hormonzusätzen verbracht. Nach 4 bis 5 Monaten bilden diese dort Wurzeln. Danach werden immer erst noch 2 mm großen /kleinen Stecklinge auf entsprechende Substrate gebracht und wachsen dann nochmals über 5 Monate zu 5 bis 8 cm kleinen Pflanzen heran. In der Baumschule bleiben sie noch weitere 5 bis 8 Jahre vor Ort, bevor sie überhaupt verkauft werden können! D.h., bis zum Verkauf sind sie schon gut und gerne zwischen 6 und 10 Jahren alt!
Kalmien sind wunderschön und sofern man sie richtig behandelt, auch sehr pflegeleicht: Sauren, aber luftigen Boden. ABER:
Wunderschön sind sie erst wenn sie groß sind! Und bis sie groß sind dauert das Jahre!
Wunderschön sind ihre Blüten auch schon, wenn sie klein sind. Es sind wirklich Blühwunder. Aber nur wenn man dicht an sie herangeht, weil nicht nur die Pflanze, sondern auch die Blüten klein sind.
Sämtliche Bilder von Blüten, die du irgendwo siehst, z.B. hier:
Kalmie lockt Insekten in den Garten - Immobilien - Printarchiv - Berliner Morgenpost sind vergrößerst. Die Blüten werden je nach Art, zwischen 1 und 2 cm groß. Allerdings kommen sie in Massen.
Berichte, seien es im Fernsehen, Gartenzeitungen oder aber auch in Tageszeitungen (wie oben) ärgern mich maßlos. Denn nirgendwo wird auf das wirklich sehr langsame Wachstum hingewiesen. Der Bericht oben, erklärt, dass sie nicht zu Rhododendren passen. Andere wiederum schildern, dass Kalmien optimal in einen Gartenbereich passen würden, der von Azaleen und Rhododendron beherrscht wird. andere wiederum betonen, dass Kalmien Berglorbeer heißen.
Das ist zwar nicht falsch, aber weil das alles Entscheidende (die Langsamkeit) verschwiegen wird, kannst du auf solche Berichte nichts geben. Hörst du Berglorbeer denkst du an Kirschlorbeer, also schließt du auf schnelle oder zumindest mittlere Wuchskraft. Natürlich passen Kalmien zu Rhododendron (wenn du dir solche auswählst, die nach den Rhododendren blühen). Aber sie passen halt erst dazu, wenn sie ausgewachsen sind. D.h. du kannst zu einer 15 jahre alten Kalmie einen jungen Rhododendron stellen, aber nicht umgekehrt. Das geht noch nicht einmal in Verbindung mit einer Azalee. Die Azalee wird in kürze höher sein als die Kalmie. Kalmien sehen auch toll aus zu Farnen oder Funkien, aber nicht wenn sie gerade erst gekauft sind. Die wird nämlich von den großen Blättern der Hosta verdeckt!
Noch mehr ärgern mich die Berichte in Gartenzeitungen. Hier wird zwar meistens geschrieben, dass Kalmien langsam wachsen. Aber welcher Gartenbegeisterte stellt sich schon vor, dass sie so langsam wachsen!
Du hast an einer Kalmie nur Freude, wenn du das alles weißt. Du musst dir das nämlich täglich vorsagen.
Ich habe mir, obwohl ich das alles wusste, im letzten Herbst die kalmia lactiflora meteor gekauft. Sie soll mal irgendwann im Leben 1,50 Meter erreichen, nach 10 Jahren aber erst 80 cm. Sie ist völlig unproblematisch. Ich habe sie wie einen Rhododendron behandelt und ihr darüber hinaus noch viel Blähton mitgegeben. Gedüngt habe ich sie noch nicht, ab und zu gebe ich ihr Kaffeesatz. Sie hat den Winter (stellenweise bis -23°) super überstanden, ist jetzt ca. 1 halben Milimeter gewachsen, und blüht wie verrückt, auch wenn man das nur sieht, wenn man direkt davor steht. Von einem Meter Entfernung sieht das Ganze nicht aufsehenerregend aus. Das finden auch die Bienen und die Hummeln. Da finden sie in meinem Garten andere Dinge, die sie interessieren. Bei mir sitzt sie, in Thujanähe. Hier wässere ich auch entsprechend mehr. Ich habe sie etwas höher gesetzt, Steine drum herum drapiert, und Vinca Minor-Ableger und kleine Campanula drum herumgepflanzt. Mit einer Kalmie brauchst du Geduld und Zeit.
Man erhält für das gleiche Geld, Pflanzen die viel größer sind, schneller wachsen und auch schneller schön aussehen. Deshalb finde ich es ein Unding, dass Kalmien zum Teil auch als Heckenpflanzen angeboten werden.
Im übrigen sind die Blätter der Kalmien tatsächlich giftig. Wie sich die Giftigkeit auswirkt weiß ich nicht. Die einzigen Geschöpfe, denen ich den Umgang mit Giftpflanzen nicht erklären kann, sind meine Katze und die Vögel, und die meiden die Giftpflanzen instinktiv.
Lieben Gruß :idea: