Also da kommen mehrere Themen-Komplexe zusammen.
Ja, Tomaten haben ihren Ursprung in Mittel- und Südamerika. Noch heute wachsen dort Wildtomaten.
Und das Platzen der Früchte haben unsere heutigen Kulturtomaten von ihren wilden Vorfahren geerbt. Das steckt ganz tief in ihrer DNA, denn dieser Mechanismus dient dem Arterhaltungsprinzip.
Und der funktioniert so: Die Haut schützt die Frucht, damit diese nicht schimmelt. Und der Glibber in der Frucht haben eine keimhemmende Wirkung, welche dafür sorgt, dass die Samen nicht schon in der Frucht keimen.
Soweit zur Ausgangslage.
Regnet es nun, erkennt das die Pflanze und die Frucht. Es ist Zeit für den Nachwuchs, nun herrschen optimale Feuchtebedingungen für die Keimung. Also platzen die Früchte, Schimmel ist jetzt erwünscht, durch die Gärung wird der keimhemmende Glibber abgebaut, gleichzeitig fallen die überreife Früchte zu Boden.
Und so sät die Mutterpflanze ganz automatisch selbst ihren Nachwuchs.
Die Tomate hat dabei zwei unabhängige "Regen-Sensoren".
Einmal die Frucht selbst: Sicher kennt manch einer das Phänomen bei platzanfällige Sorten, welche sofort platzen, sobald man die Früchte unter den Wasserhahn hält. Daher Früchte immer erst dann waschen, wenn man sie verzehren will. Und im Garten gilt: Die Früchte trocken halten damit der Sensor taub bleibt.
Trockene Pflanzen und Früchte haben dann auch den Nebeneffekt, dass Pilzkrankheiten wie Braunfäule nicht keimen können.
Der zweite Sensor sind die Wurzeln: Werden Tomaten zu unregelmäßig gegossen, dann wechseln sich Trockenphasen und Nassphasen zu intensiv ab. Folgt dann eine intensive Nassphase (manche fluten regelrecht ihre Pflanzen in der Hoffnung damit den Durst ihrer Pflanzen zu lindern) löst das den Sensor aus: Die Pflanze denkt, die Trockenzeit ist vorbei, es regnet.
Für den Garten gilt daher folgende Regel: Ein Welken der Pflanzen nach Möglichkeit vermeiden (= kein Trockenreiz). Gleichzeitig für gleichmäßige Grundfeuchte der Erde sorgen (= verhindert Regenreiz). Lieber öfters gießen, dabei für jede Gießrunde moderat wässern. Mulchen schützt den Boden vor Austrocknung und Tröpfchenbewässerung ist die optimale Gießform für Tomaten (aber nicht zwingend erforderlich).
Auch hier gibt es einen süßen Nebeneffekt: Kommen die Pflanzen nicht ins Welken, kommt die Nährstoffversorgung mit Calcium nicht ins Stocken: Das Risiko für Blütenendfäule sinkt.
Jo, so ungefähr ist das mit den Tomaten.
