Erinnerungen an Schweden

Registriert
24. Apr. 2010
Beiträge
2.133
Ort
ein kleiner Ort in NÖ
Ich denke schon eine Weile daran, von unseren Schwedenreisen zu erzählen, hatte schon ein paar Bilder vorbereitet .. ..

1982 durch Schweden war meine erste große Reise mit dem eigenen Motorrad. Ich hatte zwei Jahre zuvor den Führerschein gemacht, nach einer Reise auf dem Soziussitz hinter meinem Mann, das fand ich sehr unbequem, mitnehmen kann man so auch herzlich wenig und selbst Motorradfahren wollte ich ohnehin. Im nächsten Jahr habe ich in Südtirol fahren geübt und dann ging es nach Schweden, weil eine Kollegin meines Mannes davon schwärmte, wie toll das Licht im Norden wäre. Das Ziel war den Polarkreis zu erreichen und die Reise bestand hauptsächlich aus Fahren. Wir hatten einen winzigen Reiseführer mit Routenvorschlägen und ein paar Hinweisen auf Sehenswürdigkeiten, die Beschreibungen waren teils ungenau, und es gab nur minimal Tafeln, die auf Sehenswürdigkeiten hinwiesen. Wir fuhren mal eine Weile hin und her um eine besondere Kirche zu suchen und fanden sie nicht.
S-1982-1.webp S-1982-2.webp S-1982-3.webp
Es war August, es war anfangs heiß, ich bin ohne Handschuhe gefahren und habe eine „Sonnenallergie“ auf den Händen entwickelt. Es ging recht gemütlich zu auf Schwedens Straßen (unsere Einzylinder-Motorräder waren dafür auch gerade richtig), ein Teil unserer Strecke führte durch eine einsame Gegend mit Schotterstraße, und es war damals ein wirklich ordentliches, sauberes und friedliches Land. Die Autofahrer hielten sich an die erlaubte Höchstgeschwindigkeit, im Norden lagen die Postpakete neben der Hauptverkehrsstraße, von wo die etwas davon entfernt lebenden Menschen sie holten, und als mein Mann mal seinen Zündschlüssel stecken ließ, wurde er von einem Schweden freundlich darauf aufmerksam gemacht. Was wir an Geld auf der Reise brauchten, hatten wir in Schillingscheinen mit, die in Schweden gewechselt wurden, es gab schon ein paar schöne Campingplätze, aber ich erinnere mich auch an einen, auf dem ich mich überhaupt nicht wohlgefühlt hatte, da war nur eine Wiese, ein Klo, ein Wasserhahn, ich weiß nicht, wie wir da hin geraten sind .. war das wirklich als Campingplatz ausgewiesen? Auf meinem Motorrad waren Zelt und Schlafsäcke festgezurrt, in den Kisten auf dem meines Mannes hatte neben dem, was man so braucht auf einer Reise, ein Fotoapparat und ein paar Filme Platz gefunden .. es wurden schöne Dias, doch als sie eingescannt wurden, waren sie nicht mehr so schön. Ich bitte die bescheidene Qualität zu entschuldigen.
S-1982-4.webp S-1982-5.webp S-1982-6.webp
Den Holzweg im Store Mosse zum Aussichtsturm gestiefelt, kurz mal in den Hof von Schloss Gripsholm geschaut, in Sala trauten wir uns in die Tiefe, wo einst Silber abgebaut wurde. Seltsam, dass heute im Internet zu finden ist, dass das Bergwerk seit 1988 ein Museum ist.
S-1982-7.webp S-1982-8.webp S-1982-9.webp
Wir sahen Zorns Gammelgard, die Hütten, in denen die Samen übernachteten, wenn sie zur Kirche in Arvidsjaur kamen, das Samenmuseum .. am Campingplatz in Jokkmokk wunderte ich mich über das Schwimmbecken, ich habe allerdings niemanden schwimmen sehen, es war wenig los am Platz und so warm war es mittlerweile auch nicht mehr. In der Gegend war kaum noch Verkehr, auf einer Straße war mittendrin ein Loch, da wuchs ein Bäumchen raus .. und dann hieß es rechtzeitig wieder nach Süden zu fahren, auf einer anderen Route natürlich, an der Küste, von der wir wenig gesehen haben. Denn es wurde recht kalt und dann begann es zu regnen, tagelang. Wenn wir in den Regenanzügen stehen blieben, lief das Wasser in den Kragen, wir brauchten eine Brücke, unter der wir ein Weilchen stehen bleiben konnten, oder eine andere Rastmöglichkeiten. An einer trafen wir auf einen Reisebus mit deutschen Urlaubern. „Es regnet?“ - war zumindest einem gar nicht aufgefallen. Ja, man ist mitten im Geschehen auf einem Motorrad .. Die Campingplätze waren dabei zu schließen, an einem war es der letzte Tag, an dem er geöffnet hatte, als wir hinkamen, und wir waren dankbar für die Möglichkeit in einer Hütte zu schlafen, das Zelt auszupacken und etwas trocknen zu lassen.
S-1982-10.webp S-1982-11.webp S-1982-12.webp
Wir machten Halt in der Nähe von Uppsala - es regnete gerade nicht - und erschraken über lauten Krach in der Luft .. fuhren kurz mal in die Stadt zu Universität und Dom, ich erinnere mich, dass ich die Stadt nicht mochte, vielleicht war ich auch einfach müde. In Stockholm blieben wir einen Tag, auf dem Weg vom Campingplatz zur T-Bana-Station hüpften eine Menge kleiner Frösche herum, wir sahen die Vasa in ihrer Behelfsunterkunft und dann verliefen wir uns, irrten auf Skepsholmen herum .. .. bei der Weiterfahrt erreichten wir den berühmten Runenstein „Röksten“ und für das Foto kam kurz die Sonne hervor.
S-1982-13.webp S-1982-14.webp S-1982-15.webp

1984 waren wir mit einer Fähre von Kopenhagen nach Malmö gefahren und von dort aus weiter nach Öland. Ich erinnere mich vor allem an den beständigen und starken Wind, sodass wir die meiste Zeit in Schräglage fuhren und ich witzelte, dass die Reifen einseitig abgefahren würden. Auf der Fähre nach Malmö hatten wir einen Busfahrer gefragt, wo der Campingplatz wäre, und er sagte, wir sollten ihm nachfahren, er würde uns durch Blinken mitteilen, wo wir abbiegen sollen. Hat wunderbar geklappt, abgesehen davon, dass eine Ampel vor einem Fußgängerübergang auf Rot sprang - mein Mann kam noch durch, ich stand da .. und ich glaube, es ging niemand über die Straße. Bin dann trotz Rot losgefahren .. zum Glück war die Gegend übersichtlich und ich konnte noch den Bus sehen.
S-1984-1.webp S-1984-2.webp S-1984-3.webp
S-1984-4.webp S-1984-5.webp S-1984-6.webp
Ich erinnere mich an Frühlingsblumen auf Öland, eine Hochfläche (weiß nicht mehr wo genau) und einen Sumpf, wo ein Weg nach Ismantorps Borg führen sollte.
S-1984-7.webp S-1984-8.webp S-1984-9.webp
Bilder zeigen Nebel oder uns selbst bei Sonnenschein in Pullovern, das habe ich vergessen, aber dass wir die Ruine des alten Schlosses nur aus der Ferne sehen konnten, das fiel mir wieder ein. Wir haben den Weg dorthin ihn nicht gefunden.
Es war Midsommar, während wir am Campingplatz auf Öland waren, ein paar junge Schweden kamen mit einem Auto voller Bierdosen um zu feiern. Wir fragten sie, woher sie kämen im Zusammenhang mit den Buchstaben auf ihrem Autokennzeichen .. sie verstanden nicht, was wir meinten. Die bedeuten in Schweden nämlich gar nichts.
 
  • Viel Wind gab es 1987 auch auf Gotland, die Fahrradfahrer fuhren dann in eine Richtung sehr schnell, in die andere schoben sie das Rad. Und es war kalt .. ich erinnere mich an blühenden Flieder Ende Juni. Die Überfahrt war entsprechend unangenehm, wir blieben an Deck, weil die Luft im Innenraum so schlecht war, dass wir es dort nicht aushielten –Rauchverbot war auch in Schweden damals noch kein Thema, wenn ich mich richtig erinnere. Diesmal fuhren wir nicht in Schräglage, denn wir hatten diese Reise mit einem Beiwagenmotorrad unternommen, ein russisches Produkt namens Dnepr. Im Jahr davor waren wir von der Reise nach Finnland damit von Stockholm aus mit dem Zug heimgefahren, der ÖAMTC musste es holen, dann wurde ein Fehler behoben und die Ventile erneuert. Diesmal gab es zwar auch Probleme, doch die konnten behoben werden und es machte Spaß damit zu fahren (wir wechselten uns ab). Dank Zweispurigkeit konnte es auf den Autoreisezug von Wien nach Hamburg Altona und retour, und es hatte einen Rückwärtsgang. Es kam vor, dass jemand gespannt schaute, wie wir denn wegkommen würden von einem Platz, an dem wir mit dem Vorderrad an der Wand standen.
    S-1987-1.webp S-1987-2.webp S-1987-3.webp
    Es waren viele Motorradfahrer auf dem Weg nach Gotland, irgendein Treffen .. wir haben die Villa Villekulla gefunden und konnten sie durch einen Maschendrahtzaun fotografieren, Romakloster war noch kein Veranstaltungsort mit Sitzreihen und die Laubwiese Allekvia Löväng hatte ein gutes Erklärungsschild (2008 nicht mehr) – die Menschen nutzten früher sowohl das Gras als auch das Laub der Bäume für das Vieh.
    S-1987-4.webp S-1987-5.webp S-1987-6.webp
    Es gab schon die Möglichkeit 1 km mit der Museumsbahn zu fahren, wir konnten in einem abgezäunten Gebiet „Russ“ sehen, die gotländische Pferderasse (siehe auch Zeichnen, Malen, plastisches Gestalten und... - Page 30 - Hausgarten.net) und waren begeistert von den Raukar im Süden.
    S-1987-7.webp S-1987-8.webp S-1987-9.webp
    Was man auf den Fotos logischerweise nicht sieht .. wir haben auch diesmal vieles nicht gefunden mangels Hinweistafeln, oder wir fanden es zwar, doch es war geschlossen, oder die Beschreibung war zwar schön, aber zu sehen war nur ein überwucherter Hügel .. Dazu ein Campingplatz ohne Warmwasser im Waschraum, es gab nur brühend heißes Wasser ganz kurz aus der Dusche, wenn man eine Münze in den Automaten einwarf, und das war vorbei, ehe man genügend kaltes Wasser dazu mischen konnte. Immerhin der Glasbläser und die freundlichen Betreuer im Bauernhof Bottarve sorgten für schöne Erlebnisse. Im Bunge Freilichtmuseum waren wir natürlich auch, ich erinnere mich vor allem an die Säge ..
    S-1987-10.webp S-1987-11.webp S-1987-12.webp
    Danach hatten wir genug von Frieren im Urlaub und kauften uns einen Toyota Hiace mit Hubdach (bald darauf konnte ich wegen Hüftgelenksproblematik ohnehin nicht mehr mit dem Motorrad fahren). Wir fuhren u.a. nach Schottland und Norwegen und erlebten überraschend sonnige Wochen, in Norwegen (1990) mussten sogar die bewachsenen Dächer beregnet werden, damit sie nicht vertrockneten.
     
  • Erst 2007 ging es wieder nach Schweden, denn wir hatten die Wallander-Romane gelesen, die Filme gesehen und uns gefragt: Wo bitte liegt Ystad? Aha, an der Südküste, da waren wir noch nie .. das musste nachgeholt werden. Wir hatten mittlerweile einen als Campingauto eingerichteten VW T4, gleichzeitig unser Alltagsauto. Mein Mann wollte einen Reisevortrag aus der Reise machen und ich möglichst viel von Schweden sehen. Daraus wurden dann vier Reisen und drei Vorträge ..
    S-Ystad.webp
    Bei Ystad gibt es einen schönen großen Campingplatz, mit einer Busstation davor und dem Meer jenseits der Straße. 2007 ging die Reise erst im Juli (Juni ist optimal) und der Campingplatz war entsprechend voll. Es fand sich aber doch ein Plätzchen, wurde halt ein bisschen eng. Rein in den Bus und raus, wenn „Iiistad“ aus dem Lautsprecher tönte.
    S-Ystad1.webp S-Ystad2.webp S-Ystad3.webp
    Im Turistbyrå eine Broschüre geholt, in der diverse Schauplätze der Wallander-Krimis eingezeichnt waren – der Eingang des Hauses in der Mariagata, in dem Wallander angeblich wohnt, der Buchladen, die Autowerkstatt, der Imbissstand, die Konditorei, die Bank in „Tod in den Sternen“, die in Wirklichkeit das alte Rathaus ist.
    S-Ystad4.webp S-Ystad5.webp S-Ystad6.webp
    und natürlich auch die allgemeinen Sehenswürdigkeiten besichtigt. Die Sankta Maria kyrka mit dem Turm, aus dem der Nachtwächter alle Viertelstunde auf einer Lure blies um anzuzeigen, dass es nirgends brennt (und angeblich macht er das nun auch wieder - der Campingplatz ist zu weit weg um das zu hören),
    S-Ystad7.webp S-Ystad8.webp S-Ystad9.webp
    das ehemalige Franziskanerkloster mit wunderbarem Klostergarten
    S-Ystad10.webp S-Ystad11.webp S-Ystad12.webp
    interessantes Fachwerkhaus neben dem Klostergarten, die vielleicht älteste Schule Schwedens, die Brauerei
    S-Ystad13.webp S-Ystad14.webp S-Ystad15.webp
    und Änglahuset
    S-Ystad16.webp S-Ystad17.webp S-Ystad18.webp
    In einem Park sahen wir dem Gärtner zu, und wir sahen das Feuerwehr-Auto, das mit Touristen zu den Wallander-Schauplätzen fuhr.
    S-Ystad19.webp S-Ystad20.webp S-Ystad21.webp
    Dieses Schild muss hier auch noch rein: die Aufforderung die Hinterlassenschaften des Hundes mitzunehmen verstand ich auch ohne schwedisch zu können.
    S-Ystad22.webp S-Ystad23.webp S-Ystad24.webp
    Die Wassertürme an der Umfahrungsstraße der Altstadt und das Fährterminal
    S-Ystad25.webp S-Ystad26.webp S-Ystad27.webp
     
  • An einem anderen Tag haben wir das Filmstudio besucht, in dem die Wallander-Filme der ersten Serie gedreht wurden. Zuerst lernten wir was übers Filmemachen, besuchten die Toilette ..
    S-Ystad28.webp S-Ystad29.webp S-Ystad30.webp
    .. und dann gab es eine Führung.
    S-Ystad31.webp S-Ystad32.webp S-Ystad33.webp
    Wallanders Wohnung, natürlich auch ein Bild seines Vaters - eines mit Auerhahn,
    S-Ystad34.webp S-Ystad35.webp S-Ystad39.webp
    die Polizeistation und das Labor
    S-Ystad36.webp S-Ystad37.webp S-Ystad38.webp
     
  • Zurück
    Oben Unten