Braunfäule und Samen!

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09. Juli 2012
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Hallo zusammen,
das ist mein erster Post in diesem Forum, leider habe ich keinen Vorstellungsthread gefunden. Daher möchte ich mich kurz vorstellen und dann mit einer wichtigen und dringenden Frage in die Vollen gehen.

Mein Name ist Mario, 39 Jahre alt und ich bin die erste Saison mit einem eigenen Garten dabei. Durch Oma, Opa und Verwandte habe ich ein gewisses Basiswissen, aber es ja noch kein Meister vom Himmel gefallen, deswegen bin ich jetzt hier;)

Nun zu meinem Problem, ich habe mir ein Folienhaus für meine Tomaten angeschafft. Die Pflanzen habe ich mit 15-20 cm von einem Arbeitskollegen bekommen.
Nachdem das erste Haus mit einigen Sturmböen einen gemeinsamen Ausflug gemacht hatte, die Pflanzen haben das ohne Probleme überlebt, habe ich das zweite mit grossen Steinen an den Boden gefesselt.
So weit, so gut.
Nachts hatte ich das Haus immer brav geschlossen und wurde aber mit der Zeit etwas nachdenklich, da morgens die kompletten Pflanzen nass vom Kondenswasser waren. Draussen war es Nachts aber noch sehr kühl und ich dachte mir naja so lange sie tagsüber wieder trocknen wirds schon gehen.
Es wurde wärmer und dann machte ich den Versuch, das Haus über Nacht offen zu lassen.....das wars dann, als ich morgens zum Haus kam, hatte quasi über Nacht die Braunfäule zugeschlagen, hätte nicht gedacht das das so schnell geht.
Habe mir schnell von Compo ein Antifungizid besorgt und eingesetzt, aber da ist mit 99,9%iger Sicherheit nix mehr zu holen...
Jetzt meine Frage, es befinden sich 5-6 teilweise recht grosse grüne Tomaten am Strauch, kann ich die pflücken und nachreifen lassen, obwohl der Pilz am Strauch war?
Und was für mich am Allerwichtigsten ist, kann ich aus den eventuellen Samen für nächstes Jahr neue Pflanzen ziehen???
Mir gehts im Prinzip überhaupt nicht ums essen, habe mir schon angelesen, das ich das bei Braunfäule sowieso besser sein lasse, aber wie sieht es mit der Nachzucht aus??
Vielen Dank im Voraus für Eure Mühe,
Schreck
 
  • Hallo,
    bin in Eile - Braunfäule ist NICHT samenbürtig.
    LG Anneliese
     
    Hallo Schreck!

    Die Braunfäule ist sehr wohl samenbürtig. Sie gehört zu einer Gruppe von verschiedenen samen- und/oder bodenbürtigen Pilzkrankheiten, die dann verschiedene Probleme während oder nach der Keimung auslösen. Beispielsweise schlechte Keimraten, Stängelfäule an jungen Keimlingen, umfallede Keimlinge, Welke (als hätten sie Wassermangel), Einschnürungen am Stängel, Missbildete, beschädigte oder fehlende Keimblätter und so weiter. Die Fachbezeichnung dafür sind Umfall-/Auflaufkrankheiten.

    Aber nun zum Großen aber: Ich habe auch schon sehr häufig von befallenen Früchten Samen gemacht und daraus haben sich völlig gesunde Keimlinge entwickelt. Ich sehe das ziemlich unproblematisch. Sollte es zu o.g. Phänomen kommen, okay, dann unternimmt die Braunfäule eine natürliche Selektion. Die Chancen bestehen trotz alle dem gut, dass sich trotz Umfall-/Auflaufkrankheiten gesunde Keimlinge sich entwickeln. Diese können dann zu Jungpflanzen heran gezogen werden. Gesunde Jungpflanzen können dann auch ausgepflanzt werden, zumindest aus Sicht der Braunfäule geht meiner Erfahrung nach dann keine Erfahrung von ihnen aus. Das Geschehen spielt sich im Baby-Alter der Pflanzen ab. Wenn sich dann die Tomaten ab Jungpflanzenalter die Braunfäule einhamstern, dann garantiert durch Sporen der der Wind herbeigetragen haben und nicht dadurch, dass Samen von einer befallenen Frucht genommen wurde. So sehe ich das...

    Während der Aussat kannst du unterstützend wirken, in dem du die Samen in Kaliumnitrat (Kali-Salpeter, 1-2% Lösung) vorkeimen lässt. Und hohe Luftfeuchtigkeit und Staunässe während der Keimung und Aufzucht verhinderst.

    Bedenken habe ich, dass die nachgereifte Frucht möglicherweise keine samenreife Samen abwirft. Das wirst du dann aber schon sehen.

    Nach der Samenentnahme bleibt üblicherweise Fruchtfleisch übrig. Sollte die Frucht dann noch gesund sein (häufig bekommen optisch gesund aussehende Früchte auf dem Lager noch die Braunfäule), dann kann das Fruchtfleisch auch gegessen werden.

    Bedenken II ist der, dass die Mutterpflanze möglicherweise eine F1-Hybride ist. Welche Sorte ist das!? F1-Hybridsorten sind genetisch instabil. Die Nachkommen, welche sich dann in der F2-Generation befinden, haben in ihren Merkmalen aufgespaltet. Die Pflanzen werden daher alle unterschiedliche Merkmale an den Tag legen. Dabei können z.B. auch Resistenzen verloren gehen und in seltenen Fällen auch "schlechte" Eigenschaften in Erscheinung treten. Hier im Forum wurde z.B. einmal ein Fall berichtet, dass etwa 1/4 der Pflanzen bittere Früchte produzierte.

    Zur Braunfäule selbst: Eigentlich ist es Gift das Folien- oder Gewächshaus bei Nacht zu schließen. Es sollte unbedingt offen gelassen werden, auch bei kühleren Temperaturen, nur bei kritischen Temperaturen im Frühjahr oder Herbst sollte geschlossen werden. Dabei geht es nicht nur darum, dass die Blätter nass & feucht werden. Sondern auch darum dass die Pflanzen transpirieren können (Abgeben von Wasser an die Luft). Das muss ungemein wichtig sein, wie ich kürzlich erfahren habe, für das Pflanzenwachstum und den Nährstoffhaushalt. Wenn die Pflanze nicht transpirieren kann, soll das z.B. die Blütenendfäule fördern (Versorgungsstörung durch Kalzium).

    Dass ausgerechnet in der Nacht sich die Braunfäule ausbreitet, in der du gerade zum ersten Mal das Folienhaus geöffnet hast, schätze ich ist reiner Zufall. Ich denke ursächlich ist, dass die Pflanzen übermäßig feucht wurden durch ihren "Schwitzkasten". Denn die Braunfäule benötigt eine Latenzeit zwischen 3-7 Tage. Also von der Infektion bis zum Sichtbar werden.

    Grüßle, Michi
     
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