Noch ein Gedicht

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ailen

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Der Gärtner träumt

Was hat die Traumfee in der Wunderbüchse?
Vor allem ein Gebirg von bestem Mist!
Dann einen Weg, auf dem kein Unkraut wüchse,
Ein Katzenpaar, das keinen Vogel frißt.

Ein Pulver auch, mit dem bestreut alsbald
Blattläuse sich in Rosenflor verwandeln,
Robinien jedoch zum Palmenwald,
Mit dessen Ernte wir gewinnreich handeln.

O Fee, und mache daß uns Wasser flösse
An jedem Ort, den wir bepflanzt, besät;
Gib uns Spinat, der nie in Blüten schösse
Und einen Schubkarrn, der von selber geht!

Und eines noch: ein sicheres Mäusegift,
Den Wetterzauber gegen Hageltücken,
Vom Stall zum Hause einen kleinen Lift,
Und jeden Abend einen neuen Rücken​

Hermann Hesse;)
 
  • Hallo,

    da das hier mal ein Gedichttread ohne bestimmtes Thema ist,
    möcht ich euch mal das Gedicht meines Unterganges zeigen...
    (Kursarbeit Deutsch...Nicht fertig geworden...So´n Schrott...)

    Margarete Hannsmann (geb. 1921): Könnt ihr noch Wetterbuchen liefern?

    Aber es werden Menschen kommen
    denen das zeitauf zeitab
    der Fabriken gleichgültig ist
    sie wollen nicht auf Märkten einkaufen
    aber sie fragen
    nach dem Millionen
    Jahre alten Wind
    ob ihr noch Vögel
    Fische
    Füchse
    Sumpfdotterblumen
    aufgehoben habt
    wenn anderswo
    alle Wälder zerstückelt sind
    alle Städte über die Ränder getreten
    alle Täler überquellen vom Müll
    Könnt ihr noch Wetterbuchen liefern?
    einen unbegradigten Fluß?
    Mulden ohne schwelenden Abfall?
    Hänge ohne Betongeschwüre?
    Seitentäler ohne Gewinn?
    habt ihr noch immer nicht genug
    Einkaufszentren in die Wiesen gestreut
    Möbelmärkte zwischen Skabiosen
    nicht genug Skilifte ohne Schnee
    Nachschubstraßen für Brot und Spiele
    Panzerschneisen hügelentlang
    Fichtenschonungen auf der Albheide
    wenn ihr die Schafe aussterben laßt
    stirbt der Wachholder

    (Hannsmann, Margarete: Im Gedächtnis der Erde geprägt. Swiridoff, Schwäbisch Hall 1973)

    LG, Stephanie
     
    Hi Stephanie!

    Sehr schönes Gedicht, das die Alb treffend beschreibt. Ich las die Tage im Museum Würth anlässlich der Attersee-Ausstellung dieses:

    HERBSTLICHT

    Drunt in des Halses Wurzeln
    Haust mein Fabrik, mein Keim
    Und herbstens wenn ich schände
    Tritt Gott durchs Knopfloch ein

    Spitzohrig trauben Schäume
    Das Herz jetzt weit, sehnt zart
    Der Adern Bucht voll Träume
    Mein reißend Fleisch schwillt hart

    Im Zopfgeschmack kreist Zunge
    Der Strand heißt zuckend Land
    Ja herbstens wenn ich schände
    Ins Blut selbst krallt die Hand

    Glänzt Fleisch, wundfrisch von Bräuten
    Gleich Korn in Sonn wird Glut
    Von Almen Glocken läuten
    Solch Licht mein Herz tut gut

    Bye
    -John
     
  • - klingt lüstern, Mr Robie!
    s010.gif
    Welcome back, dear!
     
  • - klingt lüstern, Mr Robie!
    s010.gif
    Welcome back, dear!

    Ma Chère,

    ja, das kann man sagen. Wobei der Autor in einer Endlosschleife per Video zu sehen und zu hören war und eher den Eindruck eines selbstgefälligen Schwätzers machte.

    Immerhin schreibt er schöne Gedichte und malt bunte, dekorative Bilder. Das ehrt ihn.

    Viele Grüße
    -John
     
  • Hi Cil!

    Ich habe besonders lange über diese Wendung nachgedacht: "herbstens wenn ich schände".

    Bisher noch kein Ergebnis. Brauch wohl dringend ein Upgrade für das müde Teil zwischen meinen Ohren.

    Bye
    -John
     
    - mit eben der Wendung ging es mir auch so. Geschändet ist am stärksten.
    Ich war versucht die heftigsten Kernsätze herauszunehmen und untereinander zu setzen.
    Hm, Herbstlicht schändet Jugend, Schönheit, Leben - wenn man das Bild schwarz-dunkel-stürmisch-vernichtend aufzieht. Sozusagen Kompost - hihi.

    "Drunt in des Halses Wurzel..." hat allerdings die fast die (Naiv-Negativ-) Qualität der "Schlesischen Nachtigall", die sich im Frühling Schnittlauch unter's Rührei mischt - und es auch noch besingt.

    Eins ist sicher: Immer noch genüsslicher zu interpretieren als Stephis Waterloo, das ist echt gemein!
    Bei mir war bei Gedichtinterpretation - lang, lang ist's her - immer alles drin, von 5er bis 1er Noten.

    Weiss hier irgendjemand, was ein "Zopfgeschmack" ist? Fettige Haare und alt etwa?
     
    Hi Lazy!

    Weiss hier irgendjemand, was ein "Zopfgeschmack" ist? Fettige Haare und alt etwa?

    Ich vermute eher, dass die Zunge des Poeten im Nacken einer Frau kreiste, dort schmeckt es - bei unparfümierten Frauen - nach Hefezopf.

    Nun suche ich mal die "Schlesische Nachtigall" ...

    Bye
    -John
     
    Es war mal ein Jahreszeitengedichte-Thread hier, gestartet letzten Winter mit Wintergedichten. Aber ich finde ihn nicht mehr.

    "Golddurchflammte Ätherwogen,
    Schwerer Äste grüne Bogen,
    Süß verwob'ne Träumerei'n…
    Sommer, deine warmen Farben,
    Helle Blumen, gold'ne Garben
    Leuchten mir ins Herz hinein… "


    Lisa Baumfeld
     
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    Sommerwind*

    Sommerwind durch die Felder rennt,
    Heupferdchen springt, die Sonne brennt.
    Mittag schlug's auf der Dorfkirch schon,
    Der Stunden Wege niemand kennt,
    Das Herz läuft mit dem Wind davon.

    Max Dauthendey

    * Anmerkung: wenn es ihn gerade nur gäbe;-)
     
    (Dieses Gedicht wurde in den 70er Jahren von meiner Tante geschrieben. Anlass dafür war die Konfirmation ihres Enkelsohnes

    [Gelöscht auf Wunsch von Schneefrau]
     
    Zuletzt bearbeitet von einem Moderator:
    Schnell vergeht die Zeit,
    die Adventszeit ist nicht mehr sehr weit.
    Mit viel Gebäck und Kerzenschein,
    sind wir sicher nicht allein.

    Haben wir viel Eis und Schnee,
    gibt es schnell ein Kännchen Tee.
    Es duftet lecker nach Marzipan,
    jetzt zünden wir ein Kerzlein an.

    Strom und Wärme werden uns entzogen,
    so sieht es jetzt aus, ungelogen.
    Bald gibt's die erste Weihnachtsgans,
    dann geht los der Eiertanz.

    Mollig warm ist's in der Küche,
    wir atmen ein die Wohlgerüche.
    Der Ofen bleibt sehr viel länger an,
    wo er sehr viel Wärme speichern kann.

    Wer weiß, was wir noch alles erleben,
    es wird schwere Zeiten geben.
    Alles mal zusammengefasst,
    ist doch wirklich ziemlich krass.

    Nun warten wir auf Schnee und Eis,
    vielleicht wird's ja doch ein bisschen weiß.
    Lassen wir uns überraschen,
    vom Tannengrün und süßen Sachen.

    Kommt gut durch diese schwere Zeit,
    sie dauert eine Ewigkeit.
    Mit der Maske und die Spritze im Arm,
    entkommen wir dem Virenschwarm.
     
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