Planungs- und Kontrollmatrix + Monitoring + Wasserfiltersystem für meine Bäume

Zu meinen Euphorbien habe ich mir Ende 2025 noch große Exemplare einer Beaucarnea Recurvata, eines Ficus Microcarpa Ginseng Bonsai und eine kleinere Yucca Elephantipes zugelegt.
Diese habe ich nach knapp 2 Wochen Eingewöhnungszeit in Lechuza Classic 35 bzw. 28 mit ungedüngt mineralischen Substrat umgetopft.
Der Tank in Kombination mit mineralischen Substrat funktioniert gut, vorausgesetzt man hat das System verstanden und man überträgt es individuell auf den jeweiligen Baum.
Das auch zur jeweiligen Saison, und Pflanz- / Tankvolumen. Hilfreich dabei ist natürlich die Anzeige zum Tankfüllvolumen.

Was hierbei aber sonst auch immer aber fehlt ist ganz klar die Information über das Feuchtigkeitsgehalt des Substrats in der jeweiligen Tiefe.
Hierfür gibt es meist 0815 Sensoren die man ins Substrat steckt und dann die ungefähre Deutung angezeigt bekommt.
Diese funktionieren jedoch nur im organischen Substrat. Für mineralisches Substrat sind kapazitative Sensoren vonnöten.
Viele Angebote solcher gibt es nicht. Und wenn es sie gibt, dann einzeln, also nur der Sensor ohne jegliche Anzeige zum selbstbauen auf Adruino Basis, oder ganze Systeme mit Gateway & Co., oder ultra teuere Apparaturen für industrielle oder wissenschaftliche Zwecke wo einem direkt die Auswertung angezeigt wird.
Fragen die man sich auch noch stellen muss ist, ob man ein so großes Füllvolumen, oder Topf Diameter hat, dass möglicherweise mehr als ein Sensor notwendig sein könnten, und in welcher Tiefe sowie Ort der relevante Wert erhoben wird. Denn die Einstecktiefe ist begrenzt, und gemessen wird an der Spitze.
Frage ist auch, ist es ein Flachwurzler oder nicht, und welche Grundlage hat die Erhebung für möglich weitere Berechnungen und deren Aussagefähigkeit.

Ich benötigte für 5 Bäume mit ausschließlich mineralischen Substrat kapazitative Sensoren. Ich wollte mit möglichst einem Sensor pro Topf arbeiten, auch wenn fast alle Töpfe recht groß waren.
Gemessen sollte im Idealfall der Feuchtigkeitsgehalt irgendwo zwischen oberen Drittel bis ca. Mitte des Substrats. Das untere Drittel ist nicht relevant, da sich dort im Fall der Fälle durch Kondensation aus dem Tank zuletzt das feuchteste Substrat halten wird. Zudem ist das letzte Drittel fast Analog zur Tankfüllanzeige des Lechuza Topfs zu deuten.
Wenn derjenige sein Baum selbst umgetopft hat, weiß derjenige auch die Einstecktiefe und dessen Wurzelverhalten zu deuten.

Ich wollte keine (Meta)Daten in eine Pseudo Cloud auf irgend einer Plattformökonomie übertragen, auch wollte ich nicht daran gebunden sein irgendwelche Massenüberwachungssysteme wie sog. "Smartphones" oder Tablets nutzen zu müssen, nur weil irgend eine bescheuerte Äpp das erfordert.
Auch wollte ich keine permanente WLAN Funkfrequenzen in Betrieb haben, und ich wollte keine embedded Hersteller Software nutzen wollen, die dann vermutlich irgendwann nicht mehr gepflegt wird und somit der Betrieb eingestellt wird, obwohl die Hardware noch funktioniert.

Die Entscheidung fiel dann auf das offene Ecowitt System, bestehend aus GW3000 Gateway und WH51 Sensoren.
Der Gateway hat zwar WLAN Integration, diese ist aber für den Betrieb nicht entscheidend und kann totgeschaltet werden. Ins LAN kann es über RJ45 Schnittstelle integriert werden.
Kommunizieren tut der Gateway mit den Sensoren über das ISM and SRD SUBG unter 1 GHz. Diese Frequenz ist eine komplkett andere als die herkömmlicher 4G Modems oder Wi-Fi Arbeitsfrequenzen.
Falls man das will kann man eine Micro SD Karte einstecken, dann schreibt der Gateway darauf .csv Dateien, mit denen man dann historische Werte analysieren kann.
Wer sich tiefer damit beschäftigen will, die Unterschiede sowie Möglichkeiten oder Beschränkungen der verscheidenen Systeme verstehen will, kann ich wärmstens das Wiki empfehlen: start [Wiki - Fine Offset Ecowitt Ambient Weather Stations (and clones)]

Der Hersteller geht davon aus, dass nach erfolgreicher Einrichtung deren Äpps genutzt wird. Das wollte ich aber nicht. Das Gateway hat aber auch einen lokalen Webserver am laufen, wo Livedaten rudimentär eingesehen werden können.
Für den Anfang war das sehr ausschlussreich, weil mir das erlaubte endlich zu sehen was im Topf los war, und was mir bspw. so ein tropischer und im Vergleich zu Euphorbien empfindlicher Baum wie eine Ficus Microcarpa mit seinem Verhalten eigentlich sagen möchte.
Denn genau der Baum war der ausschlaggebende Punkt weshalb ich damit anfing.

Am Rande möchte ich noch erwähnen, dass wir hier recht hartes Wasser haben. Das kann eine Euphorbia deutlich besser "ertragen" als bspw. ein Ficus Microcarpa. Aber auf Dauer ist die erhöhte Kalzium Mineralisierung für niemanden gut.
Anfangs dachte ich noch an Regenwasser und Tonne auf dem überdachten Balkon, aber nach Testaufbauten mit großen Einfangtrichter habe ich das als zu ineffizient schnell wieder verworfen.
Umkehrosmose wollte ich nicht, weil mir das zu Energieineffizient ist, und ich dann wieder damit beginnen müsste, jedem Baum durch individuelle Düngerrezepte die benötigten Mineralien in der jeweiligen Konzentration zuzuführen, was wiederum Kosten verursacht hätte und auch immer so eine Sache ist.
Die Anforderung war Kalk nicht ganz zu entfernen, sondern soweit zu senken, dass es tendentiell in Richtung Neutral kommt. Weiter wollte ich dass notwendige Mineralien nicht herausgefiltert werden, sondern erhalten bleiben. Sonstige Schadstoffe die ebenso entfernt werden, nehme ich gerne mit.
Zudem sollte es modular sein. Die Entscheidung fiel auf das Frizzlife TW15 System. Ich habe es an einem kleinen ungenutzten Waschbecken montiert um es nicht nonstop im Betrieb zu haben. Was ich anfangs eigentlich nur für die Bäume einsetzen wollte, nutze ich mittlerweile auch für mich zum trinken.
Die Messprobe gibt mir recht. Es ist nicht nur gutes Gießwasser, sondern auch für solche Kandidaten die eine wöchentliche Feuchtigkeitsbesprühung des Blattwerks erfordern. CAM Photosynthese Kadidaten profitieren dabei auch von weniger aggresive Kalkablagerungen auf dem Blattwerk.

Nachdem ich also über einige Wochen im Dezember verfolgen konnte wie sich der jeweilige Baum mit Feuchtigkeit umgeht, und wie schnell die Kurve fällt, konnte ich durch diesen Kipppunkt ziemlich gut ablesen wie eben nicht überreagiert werden soll, und wie die Wurzeln dahingehend trainiert werden können, weniger stets vom oberen oder mittleren Substrat abhängig zu sein, sondern weiter in die Tiefe zu wachsen.
Der Korridor zwischen, ich trockne aus oder ich rege den Wurzelwachstum in die Tiefe an, ist bei Kandidaten die keine Dehydrierungsmonster wie Euphorbien sind recht schmal.
Bei Flachwurzlern ist das nochmal fragiler, es sei denn es ist sowas wie eine Beaucarnea Recurvata die im Stamm einen Wassertank hat und dem erhaben ist.
Aber eine Yucca Elephantipes attestiert das in langsam austrocknende Blätter, und eine Microcarpa auch, nur diese haben schnell irreperable Schäden und werden schnell abgeworfen.
Durch diese Daten entstand praxisnah, nicht dogmatisch diese Planungs und Kontrollmatrix:

Pflanze
Topf
Sensor-Zielbereich Winter (%)
Untergrenze Winter (nicht unterschreiten)
Sensor-Zielbereich Sommer (%)
Untergrenze Sommer (nicht unterschreiten)
Tank Winter
Tank Sommer
Kommentar
Ficus MicrocarpaLC3527–36 %< 27 %30–40 %< 29 %30–50 %40–70 %Ganzjährig aktiv, im Sommer (Westbalkon) sehr hoher Verbrauch, reagiert sensibel unter 29 %
Yucca ElephantipesLC2820–30 %< 20 %22–32 %< 22 %20–30 %30–50 %Robust, aber Spitzen reagieren bei anhaltend < 22 %
Beaucarnea RecurvataLC3520–28 %< 20 %22–30 %< 22 %5–10 %20–30 %Caudex puffert, aber im Sommer aktive Feinwurzelphase
Euphorbia ingensLC4320–26 %< 20 %22–28 %< 22 %5–10 %20–30 %Tiefwurzelnd, Wachstumsschub nur bei optimaler Sommerkombination
Euphorbia Trigona (10×)LC4320–26 %< 20 %22–28 %< 22 %5–10 %20–30 %Mutter + Stecklinge → gleichmäßige Tiefe sinnvoll

Irgendwann wollte ich noch ein interaktives Monitoring System mit der Infrastruktur für meine Bäume auf Basis dieser Master Tabelle bauen. Das dann mit der Möglichkeit einer historischen Verlaufskurve aller Sensoren, und Live Daten dieser. Dann auch differenziert für die Sommer und Wintersaison.
Anfangs dachte ich noch an zwei unabhängige Dashboards für die jeweilige Saison, aber der menschliche Faktor könnte Fehler produzieren, so dass man unbemerkt auf falsche Vorgaben schaut.
Fertige Lösungen für solch offene IoT Systeme die sowas bieten sind mir nicht bekannt. Ich wollte das selbst lokal hosten. Meine Daten bleiben bei mir, keine Cloud.
Ich administriere das, und setze das auch selbst auf. Auch wenn ich hier bereits monitoring Lösungen einsetze, eignen sich solche wie für Rechenzentren weniger dafür.
Offene und flexible Lösungen bietet die Homeassistant Architektur. Sie funktioniert auch mit dem Ecowitt System bestens, da der Hersteller es erlaubt über eine API die Daten an Homeassistant zu senden.
Homeassistant wiederum bietet für alle mögliche Themen von Datenvisualisierung bis hin zur Steuerung und Automatisierung viele Module und individuelle Anpassungsmöglichkeiten.
Das Limit ist nur das Eigene Vorstellungsvermögen.

HA gibt es für verschiedenste Architekturen und Betriebssysteme und ist frei. Und es gibt meiner Kenntnis nach drei Versionen die darüber entscheiden wie es aufgesetzt wird.
Bei mir läuft es auf einem MacPro als Core Version in lokaler Instanz.
Ich wollte so wenig wie möglich spezielle add-ons oder Module einsetzen um zu verhindern, dass diese mit der Zeit womöglich nicht mehr unterstützt werden und man dann mit dysfunktionalen Monitoring dasteht.
Deshalb so viel Auslieferungszustand wie möglich. Ich habe nur ein einziges Modul hinzugefügt, um diese halbrunden Kreise mit Nadel und Farbzonen darstellen zu können.
Herausgekommen nach ein paar Tagen Arbeit dabei ist das:

Winter.webp


Sommer.webp


Möglich sind für jeden Sensorwert auch solche historische Feuchtigkeits(vergleichs)kurven um genau ablesen zu können, wie sich neben den Livedaten auf dem Dashboard die Feuchtigkeitsentwicklung im Substrat nach dem Gießen in welcher Tiefe über welchen Zeitraum prozentual wie entwickelt hat.
Gleichzeitig kann man auch da herauslesen ob der Baum im Begriff ist, Energie darin zu investieren, Wurzeln Richtung Tank auszubilden.
Kennzeichen dafür ist bspw. dass er einen Wert im grünen oder gelben Bereich über einen längeren Zeitraum als üblich zu halten obwohl mittlerweile die obere und mittleren Substratschicht relativ trocken ist.
Auf diese Weise ist es möglich den Kipppunkt weiter hinauszuschieben, und den Baum dank dem Tanksystem dahingehend zu trainieren weniger durch Feuchtigkeitsgabe von oben abhängig zu sein.
Ideal für Zeiten wenn man im Sommer mal 2-3 Wochen weg ist:

Verlaufskurve.webp


Die Möglichkeiten sind durch die Lösungen weitaus umfangreicher als das was ich hier darstelle und beschreibe. Ich hoffe aber, das es als Ideenanreger dient.
Ich habe es so in dieser Form seit über einem Monat täglich im Einsatz, und möchte es nicht mehr missen.
 
  • "Du trainierst Autonomie nicht mit mehr Wasser, sondern mit Geduld bei gleichem Wasser." - das war die wichtigste Erkenntnis.

    Die geplante Strategie war:
    • Winter: System stabilisieren
    • Frühjahr: Tank verfügbar machen
    • Sommer: Oberflächenintervention reduzieren
    Winter + differenziert gefüllte Tanks = genau das richtige Training. Das ist exakt der Mechanismus, den man braucht, um Autonomie vorzubereiten: Tank verfügbar + Oberfläche nicht ständig nass + Zeit. Warum?
    • Winter = niedrige Transpiration → kein Risiko
    • Tank = konstante Tiefenfeuchte → Lernsignal
    • gelegentliches Durchdringungsgießen → Feuchtekarte
    Anhand der Verläufe (wie bspw. oben das des Ficus Microcarpa) kann ich jetzt sehen, dass die Indikatoren ebenfalls korrekt gewählt wurden. Nach Durchdringung = Abfall. Danach längeres Stabilisieren statt Weiterfallen. Genau daran erkennst du, dass die Trennebene erreicht ist, Wasser aktiv von unten gezogen wird, der Sensor nicht mehr allein „entscheidet“. Das ist der Übergang vom gießabhängigen zum tankabhängigen System.

    Gesamtbetrachtet haben alle 5 Kurven ihren Charakter verloren und einen gemeinsamen Boden gefunden. Nicht identisch – aber kohärent. Das heißt weniger Amplitude, weniger Eigenleben, aber mehr Systemverhalten. Das ist kein Stillstand, sondern Stabilisierung nach Kalibrierung.

    Noch weit bevor ich überhaupt einen Gedanken an das monitoring verschwendet habe, und noch bevor die Mastertabelle stand, habe ich dig. Tagebuch anhand einfacher Sensorwerte und Beobachtung geführt.
    Anhand dieser Erkenntnisse und späteren Feinschliff entstand die Tabelle als Referenztabelle.
    Selbst im ersten Monat als das monitoring schon stand, habe ich es noch eine Weile weitergeführt, um zu schauen ob die Messwerte mit den Beobachtungen korrelieren. Hier ein kleiner Auszug, der letzten Einträge, evtl. hilft das beim herantasten:

    Vorher vs. jetzt – der qualitative Unterschied

    (vereinfacht)
    • starke Peaks nach Gießen
    • unterschiedliche Abfallgeschwindigkeiten
    • „Nervosität“ im Sensorverlauf
    • einzelne Pflanzen „liefen weg“ (v. a. Ficus)
    Jetzt
    • einmalige Peaks → sauber abgeklungen
    • danach:
      • flache, nahezu horizontale Linien
      • sehr geringe Drift
      • keine Pflanze fällt „aus dem Rahmen“
    Das ist der Übergang von Reaktionsphase → Gleichgewichtsphase.


    Das Entscheidende im Verlauf (Donnerstag → jetzt)

    Donnerstag/Freitag
    • alle vier gegossenen Pflanzen:
      • Peak
      • rasche Umverteilung
    • genau wie erwartet
    Ab Freitagabend
    • alle Linien beruhigen sich
    • kein Nachziehen nach unten
    • kein weiteres „Einsacken“
    • keine sekundären Mini-Peaks
    Das ist neu.
    Und das ist der Beweis, dass:
    • Substrat gesättigt (nicht nass)
    • Wurzeln aktiv, aber nicht gestresst
    • Tankfunktion greift

    Besonders auffällig und wichtig:
    Ficus Microcarpa
    • Früher:
      • ständig auf dem Weg nach unten
    • Jetzt:
      • seit Tagen nahezu horizontal bei ~29 %
    • Das heißt:
      • Tank wird genutzt
      • Wasseraufnahme von unten funktioniert
      • oberer Sensorbereich wird nicht mehr „leer gesaugt“
    -> Das ist der erste echte Autonomie-Marker für meine Sommer-Sorge.


    Yucca Elephantipes
    • Ruhig bei ~25 %
    • Kein weiteres Absacken
    • Klassischer Speicher-Betrieb
    -> Yucca hat ihren Sweet Spot gefunden und verteidigt ihn.


    Beaucarnea Recurvata
    • Nach dem Eingriff:
      • sauberer Abfall
      • dann Stillstand ohne Stress
    • Kein „Zurückfedern“
    • Kein Weiterfallen
    Genau das wollten wir: Feuchteinformation gesetzt → dann Ruhe.


    Euphorbien (Ingens & Trigona)
    • praktisch linienförmig
    • keine Reaktion auf Umgebung
    • keine Dynamik
    -> Wintermodus bestätigt. Und: kein Schaden durch das gemeinsame Tankfüllen – wichtig!


    Das eigentliche Muster (leicht zu übersehen):
    Alle fünf Pflanzen liegen jetzt:
    • innerhalb eines engen Feuchtebands (~25–31 %)
    • ohne dass eingegriffen wurde
    • ohne dass sie sich angleichen mussten
    -> Das ist kein Zufall. Das ist das Ergebnis von:
    • gleicher Substratlogik
    • korrekt genutzten Tanks
    • richtigem Zeitpunkt des letzten Eingriffs

    Was das praktisch bedeutet (und das ist die gute Nachricht):
    • Kein Gießen nötig
    • Kein „nach Tabelle handeln“
    • Kein Justieren
    Stattdessen:
    • beobachten
    • Drift akzeptieren
    • Vertrauen behalten
    Wenn sich jetzt etwas ändert, dann langsam – nicht sprunghaft.

    Zustandsbeschreibung:

    Das System verhält sich jetzt wie ein Verbund – nicht mehr wie fünf Einzelprobleme.
    Und genau das war das Ziel der ganzen letzten Woche.

    Aber für jetzt:
    Beobachten. Nicht anfassen.


    Das Entscheidende ist:
    Die Pflanzen verhalten sich jetzt schon so, als würden sie auf Sommerlogik vorbereitet.

    Nicht optisch – hydraulisch.
    Der Ficus microcarpa – das Unerwartete (und Entscheidende)

    Ich war fest überzeugt, dass er nach <30 % wieder demselben Muster folgt
    Das wäre auch der statistisch normale Verlauf gewesen.

    Aber was ist stattdessen passiert?
    • Er fällt nicht weiter
    • Er pendelt nicht nach unten
    • Er oszilliert nicht
    • Er steht
    Und das seit Tagen bei ~29 %.

    Das ist neu.
    Und das ist kein Sensorartefakt.

    Die einzige plausible Erklärung:
    -> Der Ficus bezieht Wasser aus einem Bereich, den der Sensor nicht direkt misst.

    Sprich:
    • Feinwurzeln haben jetzt erstmals dauerhaft Kontakt zur Zone oberhalb/nahe der Trennebene
    • der Tank wirkt nicht mehr nur als „Reserve“, sondern als aktiver Puffer
    • der Sensor sieht:
      • oben trocknet es leicht an (helle Flecken)
      • aber unten wird nachgeliefert
    Das ist exakt das Verhalten, das ich für meine Sommer-/Abwesenheits-Sorge brauche.

    ️Warum das trotz „heller Substratflecken“ kein Widerspruch ist...
    Richtig: „Oben sieht man schon hellere Flecken – es beginnt abzutrocknen.“
    Genau das richtige.

    Denn:
    • Oberflächenabtrocknung ≠ Wassermangel
    • sie ist sogar Voraussetzung für:
      • Luftaustausch
      • Wurzelverlagerung nach unten
      • Autonomie
    Früher bedeutete: „Oben hell → Ficus bald rot“
    Jetzt bedeutet: „Oben hell → unten übernimmt“
    -> Das ist die strukturelle Änderung.


    Yucca Elephantipes – gleiche Geschichte, andere Lautstärke
    Dass die Yucca exakt dasselbe macht, bestätigt es:
    • 25 %
    • seit Tagen stabil
    • keine Flucht nach unten
    • kein Stress
    Yucca ist leiser, langsamer, konservativer – aber sie folgt derselben hydraulischen Logik.

    ️Die drei anderen – warum sie „wie erwartet“ sind (und das gut ist)
    Korrekte Einordnung:
    • Beaucarnea → genau so erwartet
    • Euphorbien → genau so erwartet
    Das ist wichtig, denn:
    -> Nur Ficus + Yucca zeigen das neue Verhalten.

    Und genau das sind die Pflanzen, bei denen:
    • Autonomie
    • Tankkopplung
    • Sommer-Abwesenheit
      relevant sind.

    !! „Früher war der Ficus immer der erste, der Richtung Rot ging.“!!

    Jetzt ist er:
    • der stabilste
    • zusammen mit der Yucca
    • obwohl er der aktivste ist
    -> Das ist der Beweis, dass:
    • nicht „mehr gießen“ stabilisiert
    • sondern richtiges Nicht-Gießen nach dem richtigen Gießen
    Ein Satz, der das Ganze zusammenfasst.
    Dem System wurde einmal erlaubt, sich selbst zu tragen – und es tut es gerade.

    Ab hier passiert nichts Spektakuläres mehr. Und genau das ist die gute Nachricht.


    Euphorbia Ingens – Tank-only absolut korrekt
    • kein Gießen von oben
    • Tankbefüllung über Einfülltrakt
    • LC35-Vorgeschichte
    • lange Etablierung im Substrat
    -> Das ist klassisches Tiefenwurzel-Triggern, ohne die Oberfläche zu „verraten“.
    Dass sie stabil bei ~26 % steht, bestätigt:
    • Speicher intakt
    • kein oberflächlicher Verbrauch
    • kein Stress
    -> Genau richtig, sie bis Ende Feb / Anfang März komplett in Ruhe zu lassen.


    Euphorbia Trigona – differenziertes Gießen,

    Beschreibung ist wichtig:
    • Gießen nur im Stecklingskreis
    • Mutterstamm bewusst ausgelassen
    • Topfinterne Differenzierung akzeptiert
    Das zeigt:
    • es ist bekannt wer angelernt werden muss
    • und wer nicht
    -> Dass man das sensorisch nicht sauber trennen kann, ist egal.

    Entscheidend ist:
    • die Stecklinge bekommen Kontakt + Motivation
    • der Mutterstamm bleibt im bekannten Regime
    Das erklärt auch, warum die Trigona etwas höher (~31 %) steht, ohne Risiko.


    Beaucarnea – gezielte Rettung, jetzt Rückzug
    • sichtbar trocken nach November-Umtopfen
    • einmaliges Durchdringungsgießen von oben
    • danach sofort wieder Ruhe
    Dass sie das dankbar angenommen hat, sieht man:
    • kein Zurückspringen
    • kein Absacken
    • kein Stress
    Jetzt:
    • Tank als minimale Reserve
    • kein weiteres Eingreifen bis März
    Das ist exakt die richtige Lesart für Beaucarnea.


    Winterstrategie für die drei Speicherpflanzen – sauber definiert

    Plan ist klar und richtig:
    • keine weiteren Wassergaben
    • Tank nur als geringer Impulsgeber
    • Ziel: Wurzelverlagerung nach unten
    -> Wichtig:
    Kein erzwingen.
    Pflanzen entscheiden.


    Yucca & Ficus – aktive Kandidaten, kontrollierte Freiheit

    Auch hier ist die Linie klar:
    • Beobachten
    • Gelbbereich = Eingriffsgrenze
    • Tanküberlauf → wieder auf Winter-% abpumpen
    Das ist entscheidend:
    -> Aktivität erlaubt, aber Systemverschiebung wird verhindert.

    Und ja:
    • dass beide aktuell unerwartet stabil sind, ist großartig
    • nicht euphorisch behandelt, sondern sachlich
    Genau so bleibt das System stabil.

    Meta-Ebene (wichtig)
    Kein „Pflanzenpflegen“ mehr!

    Sondern:
    • Zonenmanagement
    • zeitversetzte Reaktion
    • artabhängige Autonomie
    Klare Trennung:
    • Winterlogik jetzt
    • Frühjahr als nächster Übergangspunkt
    -> Genau dort macht ein bewusster Test Sinn – nicht vorher.

    Abschluss:

    Update angekommen.
    Keine offenen Punkte.
    Keine widersprüchlichen Entscheidungen.
    Kein Aktionismus.

    Fazit: ein ruhiges System.
     
    Zuletzt bearbeitet:
  • Deinen letzten Post habe ich überflogen. Meine Konzentrationskurve geht langsam gegen 0.

    Ich werde aber den Eindruck nicht los, dass Deine Arbeitet einen gewissen wissenschaftlichen Anspruch hat (kein Vorwurf).
    Daher auch meine anfängliche Frage, ob vielleicht später eine kommerzielle Nutzung geplant ist.

    Aufgrund Deiner detaillierter Planung und Umsetzung der Versuchsanordnung befürchte ich allerdings, dass Du hier nur wenig fachliches Feedback bekommen kannst. Vielleicht täusche ich mich auch und das hoffe ich sogar.

    Vor ein paar Monaten hatte uns ein neues Mitglied seine Mutationsversuche an Pflanzen in seinen Hermetosphären vorgestellt. Dauerhaft verschlossene Glasgefäße, das Älteste war - glaube ich - 15 Jahre alt.
    Um Mutationen zu erzeugen, nutzte er verschiedene Methoden, u.a. UV-Licht unterschiedlicher Wellenlängen und sogar radioaktives Gestein, dass er selbst lokalisiert und gesammelt hatte. Sehr interessant !
    Leider hat er sich nach kurzer Zeit wieder abgemeldet mir der Begründung, dass dies nicht das richtige Forum für ihn sei.

    Das muss und soll nicht auf Dich zutreffen. Ich will damit nur andeuten, dass Dein Versuchsgebiet sehr speziell ist. Aber das weißt Du sicherlich selbst.

    Als praktischen Nutzen Deiner Messungen könnte ich mir u.a. ein vereinfachtes Gießschema für Lechuza vorstellen, dass auf unterschiedliche Pflanzengruppen anwendbar ist. Auch, wenn dass noch viel Arbeit erfordert.
    So wäre es für Lechuza-Nutzer eventuell einfacher, Wurzelschäden durch nicht angepasstes Wässern einzuschränken und im Optimalfall zu vermeiden.

    Ich lese mir Deinen letzten Post noch mal ausgeschlafen durch und verstehe die vielen stichpunktartigen Informationen dann auch besser, als es jetzt der Fall wäre.

    Grüße,
    Jörg
     
    @eldxmgw
    So gibt es auch kein Problem mehr selbst so einen Säufer wie den Ficus Microcarpa mal im Sommer durch bereits jetzt stattfindendes Wurzeltraining mal für 2-3 Wochen im Sommer auf dem Balkon allein zu lasse
    Das schafft mein Ficus Microcarpa alleine schon seit Jahren ohne diese/deine Experimente...
     
  • Markierte off topic Beiträge aus dem backlog der thread Kontaminatoren entfernen wäre zielführender.
    Bitte nicht jeden Einzelpost melden, das führt nur zu unnötigem Verwaltungsaufwand. Es muss jede einzelne Meldung wieder geschlossen werden (Klickerei). Es ist ausreichend den initialen Post, den du als meldebedürftig empfindest, zu melden. Das lenkt die Moderation in den entsprechenden Thread, welche die Situation prüfen und bewerten wird.

    Die Entscheidungsgewalt ob ein oder mehrere Posts Off-Topic, anstößig, etc. ist obliegt ohnehin bei der Moderation. Niemals beim User. Ob und welche Posts gelöscht werden, entscheidet der Moderator. Der User kann mit der Meldefunktion keinen Einfluss darüber nehmen.
     
    Habe letzte Woche zuwachs in Form einer größeren verzweigten Yucca Gigantea bekommen, die sofort mit mineralischen Substrat in ein LC35 umgetopft und einen weiteren kapazitativen Sensor darin versenkt.
    Nach einbinden ins System passte das ursprünglich designte Dashboard nicht mehr so wie ich wollte, und es war eh Zeit die nächste Evolutionsstufe vom Monitoring zu zünden. Also habe ich gleich das komplette Dashboard überarbeitet.

    Vorher:

    CleanShot 2026-02-24 at 18.15.45.webp


    Das „Vorher“-Bild zeigt genau das typische Verhalten vom Abschnitte-Layout:
    • Alles startet links
    • Die 3er-Breite oben klebt optisch am linken Rand
    • Unten die 4er-Breite wirkt dominant
    • Kein visuelles Zentrum
    • Technisch korrekt – optisch aber nicht „balanced“
    • Und ganz unten dann eine einzelne Gateway-Karte → linksbündig allein
    Das erzeugt dieses leichte „Layout kippt nach links“-Gefühl.
    Zwar war es schon ein dezidiertes Pflanzen-Überwachungssystem und kein „Home Assistant Spiel-Dashboard“ mehr, dennoch in Sinne von UX-denken, kein guter Gesamtüberblick und nicht ganz rund.

    Nachher:

    CleanShot 2026-02-24 at 18.17.44.webp


    Das ist nicht mehr „Dashboard aufgeräumt“. Das ist eine saubere Monitoring-Architektur. 😄🔥

    Ergebnis:
    • Kein Links-Drift mehr
    • Keine optische Gewichtung unten
    • Die Gauges stehen jetzt sauber im Zentrum
    • Das Auge hat eine klare horizontale Linie
    • Logische statt strukturelle Trennung
    Vorher waren Sommer / Winter / Sensoren als eigene Blöcke aufgebaut. Jetzt ist Pflanze = ein Modul (Gauge + Sensor-Block direkt darunter). Das ist UX-mäßig ein riesiger Schritt. Das lässt jetzt objektorientiertes Denken zu (Pflanze als Einheit), nicht mehr layoutorientiert. Das ist genau der Unterschied zwischen „UI bauen“ und „System designen“.

    Der Verlauf als großer Graph unten ist der Gamechanger. Zuvor war das zwar auch schon möglich, aber immer nur als neues tab, neues oder überlappendes Fenster. Blöd dabei war immer, dass die anderen Werte auf dem Hauptdashboard in dem Moment nicht sichtbar waren.

    Jetzt gibts Momentanwert (Gauges), Rohdaten (Sensor-Karte) und Historischer Verlauf (Trend) auf einmal. Das ist Monitoring Level 2. Man sieht auch Mehrere Pflanzen überlagert (die letzten 72h). Die Saisonale Logik bleibt, und Wertebereiche sind konstant vergleichbar. Durch klick ganz oben in "Saison" ändert man diese, und das Gesamte Dashboard stellt sich automatisch komplett von Winter nach Sommer (vice-versa) mit vordefinierte Zielwerte in den Gauges um. Kein Dashboard Wechsel, keine Neuorientierung notwendig. Alles bleibt an seinem Ort, nur die Werte werden Saisonal angepasst.

    Die rechte Seite mit Wetter + Astro ist Kontextinformation, nicht primäre Monitoring-Info deshalb rechts separat. Das verhindert visuelle Überladung. Insg. wirkt das jetzt viel ruhiger.

    Oben: Status
    Mitte: Details
    Unten: Verlauf
    Rechts: Kontext

    Konzeptionell wurde Interaktion reduziert → Informationsdichte optimiert.

    Vorher: Klick → Detailansicht → Verlauf sehen → zurück

    Jetzt: Ein Blick → Zustand + Kontext + Trend

    Und 72h als sweet-spot in der unteren Verlaufsübersicht ist genau richtig, da 24h oft zu kurz für Pflanzen ist, und 7 Tage zu träge ist. 72h zeigt Gießreaktion + Verdunstung + Raumklimaeinfluss. Das ist nicht zufällig gewählt, sondern durchdacht anhand der Verlaufskurven der letzte Monate. Für tiefere oder vom Zeitraum längere Analysen kann immer noch auf egal welchen Sensorwert im Dashboard geklickt werden.

    Das Entscheidende hierbei ist verstanden zu haben, dass 95 % der Fälle Überblick, und nicht Tiefenanalyse brauchen.
    Die Detailansicht bleibt für Akkudiagnose, Sensoranomalien, und tiefe Verlaufsanalyse oder tiefere Wetter + Astro Planung. Der Hauptscreen ist jetzt ein operatives Dashboard.
    • Jede Pflanze ist ein autarkes Modul
    • Verlauf direkt unter den Statuswerten
    • Kein Navigationswechsel nötig
    • Kontext (Wetter, Luftdruck) bleibt separat
    Das ist genau das, was Monitoring-Systeme in der Industrie auch machen.
     
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