Pilzfreie Aufzucht aus Samen und Stecklingen

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Weilburg / Hessen z7b
Hallo allerseits,

ich moechte mich vermehrt an die Aufzucht von Exoten aus Samen und Stecklingen machen. Dazu fehlt mir noch einiges an Wissen. Vielleicht koennt ihr mir helfen.

Als Hilfsmittel habe ich Anzuchterde, Perlite, Rhizopon AA 1%, Chinosol 1 g, SuperThrive, Mini-Gewaechshaeuser.

Wo ich mir sehr unsicher bin ist der Gebrauch von Chinosol.

* Kann ich Samen in Chinosol-Loesung desinfizieren?
* Kann ich Anzuchterde mit ausgesaeten Samen durch Chinosol-Loesung feucht halten, ohne Schaedigung der Samen?
* Kann ich frisch gekeimte Saemlinge mit Chinosol-Loesung giessen? Welche Konzentration?
* Ich gehe davon aus, dass ich Stecklinge durch ein Bad in Chinosol-Loesung (1 g/l) desinfizieren kann.
* Kann ich Stecklinge in Anzuchterde mit Chinosol-Loesung feucht halten?
* Macht es Sinn, Stecklinge in Chinosol-Loesung bewurzeln zu lassen? Wenn ja/jain, in welcher Konzentration?

* Wo macht der Einsatz der anderen Hilfsmittel (Rhizopon AA 1%, SuperThrive) Sinn?
* Schliessen sich Mittel gegenseitig aus?

Wer kann helfen, und wenn es nur in einem der Punkte ist?

Gruesse

Harry
 
  • Hallo Harry,


    also ich würde das Chinosol wieder umtauschen.
    Wenn dir die Samen vergammeln und du massiven Schimmelbefall beobachtest, liegt es eh an unpassenden Bedingungen wie zu großer Nässe und mangelnder Belüftung. Da hilft dann auch kein Gift oder steriler Boden...

    Ich glaube, daß Pflanzen gerade dann besser wachsen, wenn Bakterien und Pilze im Boden aktiv sind. Schließlich gehen fast alle Pflanzenarten gern Symbiosen mit Pilzen ein. Wirklich schädliche Organismen können sich dann auch nicht ausbreiten.

    Das Rhizopon dagegen halte ich für sinnvoll, jedenfalls für Stecklinge die nur schwer Wurzeln bilden, wie z.B. Citruspflanzen.


    Grüße, Carsten
     
    Hallo Carsten,

    danke fuer deinen Beitrag.

    Ich bin mir nicht ganz sichher, ob ich ohne (mehr oder weniger) sterile Bedingungen auch bei angepasster Feuchte ueber mehrere Monate komme. Ich denke schon, dass Samen da die Fluegel strecken koennten wegen Pilzbefalls.

    Das betrifft dann wahrscheinlich besonders Lichtkeimer, weil hier die Belueftung zum Problem wird (Abtrocknen der Substrat-Oberflaeche).

    Auf eine foerderliche Mykorrhiza moechte ich mich nicht verlassen. Da sind die Chancen, den 'passenden' Pilz zu erwischen, in meinen Augen doch zu gering.

    Ich will nicht bestreiten, dass es ohne Desinfektion geht. Aus eigener Erfahrung weiss ich, dass es funktioniert. Nur rechne ich mir bei sehr langen Keimzeiten einen groesseren Erfolg mit sterilem Material aus.

    Falls ich hier schief liege, ueberzeugt mich.

    Gruesse

    Harry
     
  • Hallo Harry,


    ich hatte übrigens einen wichtigen Grund für Ausfälle von exotischen Samen vergessen, und zwar schlecht gelagertes Saatgut, das nicht mehr keimen kann... Ist besonders bei gekauftem Saatgut oft ein Problem.

    Wenn das nicht der Fall ist, sollten die Samen schon in der Lage sein, sich gegen Schimmel zu wehren. Habe selbst bei schneller keimenden Arten schon mehrmals erlebt, daß verschiedenste Nachzügler erst nach Monaten oder ein ganzes Jahr zu spät gekeimt sind. Und in der freien Natur behandelt die ja auch niemand. Schimmelpilze kommen eigentlich weltweit in den Böden vor und werden sogar manchmal bewußt eingesetzt, um schädliche Pilze zu verdrängen. Schau dir doch mal an, wie viele Züchter ihre Passionsblumensamen vorbehandeln. Evtl. ist so eine Behandlung mit schimmelndem Orangensaft auch für viele andere Samen geeignet.

    Ich befürchte ja eher, daß du in einem sterilen Substrat größere Probleme mit pflanzenschädlichen Mikroben bekommst. Erstmal wird es schwierig, die Sterilität länger aufrecht zu erhalten. Wenn dann irgendwann mal was böses reinkommt, das sich nicht so einfach vergiften läßt, kann es sich ohne Gegenspieler ungehindert ausbreiten.

    Und mit Mykorrhiza verhält es sich etwas anders. Einige wenige Pilzarten können nur mit bestimmten Pflanzen Symbiosen eingehen. Das trifft aber fast ausschließlich auf eine spezielle Art von Mykorrhiza zu (Ektomykorrhiza) und betrifft Waldpilze und Waldbäume. Die übliche Endomykorrhiza wird eher von Allroundtalenten betrieben, denen es egal ist, ob sie nun mit Gräsern, krautigen Pflanzen, Obstbäumen oder Exoten zusammenleben.

    Aber ich schweife ab. Wie du sicherlich schon bemerkt hast, würde ich lieber mit der Natur arbeiten, als mit viel Aufwand dagegen anzugehen.


    Wie du es auch machst, ich wünsche dir viel Erfolg,
    Carsten


    Nachtrag: Wenn du Perlite pur einsetzt, hast du auf jeden Fall ein pilzfeindliches Substrat und nur mit den Pilzen zu tun, die sich auf oder in den Samen befinden. Angeblich gilt das auch für Kokosfasern (Kokohum).
     
    Zuletzt bearbeitet:
  • Hallo Carsten,

    ganz herzlichen Dank fuer deine Hilfe.
    Will mal versuchen, mir deine Denkweise etwas naeher zu bringen. Vielleicht ueberzeugt mich ja die Praxis.

    Freundliche Gruesse

    Harry
     
    Ansonsten 0.15% Previkur N, hilft vorbeugend gegen Stengel und Grundfäule
    (Pytium,Phytophtora) auch bei Anzuchten,-saaten

    ade
    bolban
     
  • Hallo Harry

    Schau mal was ich gefunden habe.


    Anzuchterde.

    Selbstbereitet: 1/3 sehr reifer Kompost, 1/3 (Quarz-)Sand, gut gereinigt und gewaschen, 1/3 Gartenerde + Gesteinsmehl oder 1/2 Kompost oder Gartenerde und 1/2 Weißtorf + Gesteinsmehl. Holzkohlezusatz wehrt Pilzbefall ab. Immer alle Bestandteile gut sieben und mischen. Zu nährstoffreicher Kompost führt zur Vergeilung, nährstoffarme Erde führt zu einer besseren Bewurzelung. Wer Fehlschläge durch Umfallkrankheit (oder Schwarzbeinigkeit) vermeiden will, sollte die Erde sterilisieren, entweder bei 200° 1/2 Stunde lang im Backofen dämpfen oder 15 Minuten lang in der Mikrowelle. Auch gekaufte Vorjahrserde kann auf diese Weise pilz- und bakterienfrei gemacht werden*.


    Grüßle
    Leobibi
     
    Hallo Harry,
    ich verwende für Samenanzucht, Stecklingsvermehrung ausschliesslich Cocohum. Habe zur Zeit Stecklinge von Erdorchideen und Baumfarnsporen seit einigen Monaten in Cocohum und von Pilz keine Spur.
     
    Haensel hat recht.

    Gerade bei Exoten ist die Verwendung von Cocohum sehr zu empfehlen.

    Grüßle
    Leobibi
     
    Hallo Bolban,
    hallo Haensel,
    hallo Leobibi,

    herzlichen Dank fuer eure Hilfe.
    Ohne diese Hilfe waere ich ziemlich aufgeschmissen, weil ich mich auf diesem Gebiet garnicht auskenne.

    Also werde ich mal mit viel Sauberkeit und Cocohum experimentieren.

    Herzliche Gruesse

    Harry
     
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